© Authentifizierung/Christandl Jürg

Kolumnen
08/09/2020

Waterloo im Schilfgürtel

Kabarettist Klaus Eckel über den austrocknenden Neusiedler See und die Bank in Mattersburg.

Die Malediven meiner Kindheit, der Neusiedler See, trocknen aus. Doch im Niedermoor steht dem Pannonischen Ozean ein erbitterter Feind gegenüber. Die burgenländische Landesregierung. Damit der Wasserspiegel zumindest wieder die Lenden der Schwimmenden bedeckt, wurde als Sofortmaßnahme gleich einmal eine Bank versenkt. Zumindest an Land schlägt das Wellen. Nach den Pleiten von Bawag, Hypo, Commerzialbank frage ich mich, was so eine Bankenaufsicht eigentlich beruflich macht.

Zurück zum See. Eine Taskforce, die jetzt den Kampf gegen das Austrocknen des Sees aufnehmen soll, beschäftigt sich derzeit mit unzähligen Fragen. Sollen in Zukunft adipöse Wiener im Podersdorfer Strandbad nur noch die Hälfte bezahlen, da Sie den Wasserstand positiv beeinflussen? Könnte Schladming jeden Sommer Mörbisch mit Schneekanonen beliefern, um von der Promenade aus, den See zu beschneien? Wie wird die Pannonische Gelse auf einen solchen Wintereinbruch reagieren? Reicht bei dem geplanten Flussanzapfen das Wasser der Donau überhaupt noch aus? Ist eine weitere Kanalverbindung zum Mekong völlig unrealistisch? Hat Hans Peter Doskozil überhaupt die Telefonnummer vom thailändischen König? Und wenn man in letzter Konsequenz den Neusiedler See halbiert, wird er dann doppelt so hoch? Fatum ist, dass wir Menschen uns immer häufiger von der Natur gefrotzelt fühlen. Deswegen bekämpfen wir Kälte mit Heizpilzen, Herbstblätter mit Laubbläsern, retten Gletscher mit Kühlbeutel und den Neusiedler See vermutlich bald mit Regentänzen.

Die Task Force hat aber auch einen Plan B. Im Falle des endgültigen Versiegens, soll auf der Fläche des Neusiedler Sees das größte Shopping Center Europas errichtet werden. So wie ich die Natur einschätze, kommt am Tag der Eröffnung das Wasser zurück.

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