Kolumnen
13.09.2018

Was wir von einem Papagei lernen können

Ein Ara ist kein Schwätzer. Er bleibt seinem Partner ein Leben lang treu. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Ein seltener Fund in meinem Briefkasten! Zwischen Postwurfsendungen und Rechnungen find ich eine Postkarte. Darauf unverkennbar die Schrift meiner Freundin und ein Spruch, der nur von ihr kommen kann: Bin im Park glückliche Paare vergiften. Gruß, Kirsten!

Ihr Beziehungsstatus: kompliziert. Ich weiß sofort, dass ich mir den restlichen Tag nichts mehr vornehmen muss, wenn ihr Name am Handy-Display aufleuchtet. Sie schimpft wie ein Rohrspatz auf die Männerwelt im Allgemeinen und den Verflossenen im Speziellen. Ein Schauspiel, das sich in regelmäßigen Abständen wiederholt.

Das Glück ist ein Vogerl.

Der Mensch nicht. Das macht Beziehungen kompliziert.

Ein Ara-Männlein verbringt sein ganzes Leben in trauter Zweisamkeit mit seiner Auserwählten – und das bei einer Lebenserwartung von bis zu 100 Jahren. Die Vögel sind prinzipiell treu, wobei Ausnahmen immer die Regel bestätigen. Hab’ neulich von einem lesbischen Ara-Paar gelesen, das plötzlich und freilich völlig unerwartet Nachwuchs bekommen hat. Künstliche Befruchtung ausgeschlossen. Ein blaugefiederter Papagei, der auffällig oft zu Besuch war, steht unter Verdacht, verweigert aber die Aussage.

Familiengründungen sind oft kompliziert. Auch beim Menschen. Die Schweden haben seit Kurzem ein neues Gesetz, das die Freiwilligkeit von Geschlechtsverkehr sicherstellen soll. Weil aber die wenigsten Menschen einen Notar im Schlafzimmer sitzen haben, wenn sie ihn zufällig brauchen könnten, gibt es jetzt diverse Sex-Apps. Mit diesen kann man seine Einwilligung zum Sex per Handyvideo, Sprachmemo oder elektronischer Signatur abgeben. Hat den Erotik-Effekt von Fußpilz. Muss sich erst durchsetzen.

So gesehen hat selbst das Glühwürmchen dem Menschen einiges voraus. Kommt eine Glühwürmchendame auf die Idee, dass es nett wäre, sich einen Partner zu suchen, ist das von Weitem sichtbar. Sie schaltet eine Art Schweinwerfer an ihrem Hintern ein und schwirrt durch die Gegend. So lange, bis sie einen geeigneten Kandidaten gefunden hat.

Danach wird es gleich wieder finster.

Weil das Weibchen den Schweinwerfer an ihrem Hintern wieder ausschaltet. Kein Platz für Missverständnisse. Fronten geklärt.

Einziges Problem: Das Männchen stirbt unmittelbar nach dem Akt.