Kolumnen
14.06.2018

Vom Ankick direkt in die Sendepause

Ich habe ein ausgeprägtes Desinteresse an Fußball. Damit stehe ich im sozialen Out.

Ich interessiere mich nicht für diese Clubs der Millionäre. Ihre Mitglieder sind alle gleich. Von oben bis unten tätowiert, aber wehleidig bis dorthinaus.

Sobald ihnen jemand den Ball wegnimmt, werfen sie sich wie Kleinkinder schreiend auf Boden und flennen, bis der Arzt kommt. Oder der Onkel mit dem Pfeiferl, der eine der anderen Heulsusen abstraft. Wirkt wie eine Spontanheilung. Plötzlich dribbeln die Burschen weiter, als hätten sie vergessen, dass sie gerade noch einen offenen Oberschenkelhalsbruch hatten.

Ich sag es, wie es ist: Ich habe ein ausgeprägtes Desinteresse an Fußball. Normalerweise fällt das nicht weiter auf. Aber jetzt ist nicht normal. Jetzt ist Fußball-WM. Ich stehe im sozialen Out. Wer, wie ich, einen Elfmeter nicht von einer Torstange unterscheiden kann, hat in der Kantine, im Büro und im Stammlokal nichts zu melden. Sendepause.

Also was tun? Ich könnte mich verstecken. In der Lombardei. Die Wahrscheinlichkeit, dass mich dort jemand sucht, ist größer, als man denkt. Allerdings erst ab 24. August, denn dann startet in dem sonst eher verschlafenen Dorf Cosonno die Versteck-Spiel-Weltmeisterschaft. Geht heuer zum achten Mal über die Bühne, meistens gewinnen Italiener. Ich könnte mit meinem Team also Geschichte schreiben. Nur hab’ ich kein Team. Weil ja alle mit Fußballschauen, Panini-Pickerl-Kleben und Wetten beschäftigt sind.

Alternativ könnte ich woanders sportlich auftauchen. Bei der Arschbomben-Weltmeisterschaft, die im Juli in Deutschland über die Bühne geht. Heißt auf wichtig „Splashdiving“, was gleich viel sportlicher klingt. Und lustig. Hab mir das genauer angeschaut. Es gibt 13 mögliche Landespositionen zum Sieg. Eine schmerzhafter als die andere. Das hält kein Profi-Kicker aus. Ich übrigens auch nicht.

Ich freue mich jetzt einfach, dass ich schon wieder Geld gespart haben. 22,75 Euro. Immerhin. So viel geben WM-Fans angeblich für Devotionalien aus. Laut Statistik doppelt so viel wie bei der WM 2014.

Wenn das so weitergeht, werde ich noch reich werden. simone.hoepke