Maria In der Maur-Koenne ist Rechtsanwältin in Wien

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Kolumnen
08/12/2019

Verpatzter Urlaub: Ab wann gibt es Entschädigung?

Die Rechtsanwältin Maria In der Maur-Koenne beantwortet juristische Fragen zu praktischen Fällen aus dem großen Reich des Rechts.

von Maria In der Maur-Koenne

Leider haben wir einen richtigen Horrorurlaub hinter uns. Das begann schon mit einer mehrstündigen Verspätung beim Abflug. Dann hat wegen der Verspätung auch der Shuttleservice nicht geklappt und weil wir offenbar die letzten Anreisenden waren, hat man uns im hässlichsten Zimmer des Hotels untergebracht.

Das Zimmer hatte weder den versprochenen Balkon mit Meerblick noch eine funktionierende Klimaanlage. Dafür kamen immer wieder unangenehme Küchengerüche beim Fenster herein, auch Kakerlaken habe ich gesehen. Es war auch sehr laut.

Alle unsere Versuche der Reklamation vor Ort sind gescheitert, weil es offenbar kein anderes freies Zimmer mehr gab.

Die letzte Woche musste meine Frau dann auch noch im Bett verbringen, weil sie eine ganz schlimme Salmonellenvergiftung hatte. Also Erholung war das keine! Was steht uns als Entschädigung zu?

Thomas F., Wien

Lieber Herr F., es tut mir sehr leid, dass Sie und Ihre Frau einen so unerfreulichen Urlaub hatten. Ihre Ansprüche sind im seit 1. Juli 2018 geltenden Pauschalreisegesetz geregelt. Ganz wichtig war, dass Sie die Mängel bereits vor Ort reklamiert haben.

Nur wenn der Reisemangel beim Reiseveranstalter vor Ort gemeldet wird und damit dem Reiseveranstalter die Möglichkeit gegeben wird, den Mangel zu beheben, besteht überhaupt Anspruch auf Reisepreisminderung. Zwar ist nicht jede Unannehmlichkeit gleich ein Reisemangel, die von Ihnen geschilderten Erlebnisse sind aber Reisemängel, die eine Preisminderung rechtfertigen werden.

Zur Berechnung der Preisminderung stellt die Frankfurter Tabelle eine gute Orientierungshilfe dar. Die Frankfurter Tabelle ist eine deutsche Entscheidungssammlung, die aber auch von österreichischen Gerichten herangezogen wird. Demnach stehen Ihnen ab 4 Stunden Verspätung beim Abflug 5 % des anteiligen Reisepreises für einen Tag für jede weitere Stunde zu. Für das Fehlen des Shuttelservice können Sie die von Ihnen bezahlten Kosten des Ersatztransportmittels geltend machen. Für den fehlenden Balkon steht Ihnen eine Minderung von 5-10 % des Reisepreises zu, ebenso viel für den fehlenden Meerblick. Bei Ungeziefer im Zimmer können 10-50 % an Minderung geltend gemacht werden. Für Lärmbelästigung können Sie je nach Tageszeit und Ausmaß zwischen 5 und 40 % Preisminderung geltend machen; für Küchengerüche 5-15 %.

Diese Preisminderungen stehen Ihnen unabhängig davon zu, ob den Reiseveranstalter ein Verschulden an den Mängeln trifft. Wenn die Reisemängel insgesamt erheblich sind, steht Ihnen auch Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreuden zu. Ob die Erheblichkeitsschwelle schon überschritten ist, hängt vom Einzelfall ab.

Bei einer Salmonellenvergiftung, durch die der Reisende tagelang im Hotelbett liegen musste, wurde allerdings schon Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreude zugesprochen.

Auch wenn Sie drei Jahre ab Eintritt des Schadens Zeit hätten, die Ansprüche geltend zu machen, so rate ich Ihnen doch möglichst rasch mit dem Reiseveranstalter in Kontakt zu treten und von diesem Reisepreisminderung und Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreuden zu fordern.

rechtpraktisch@kurier.at

Link zur Frankfurter Tabelle