Kolumnen

Nur 10 Minuten: Was tut der Mensch für ein bisschen Baumaterial

Vea Kaiser hat einiges zu jonglieren. Denn Baumaterial in der Baustoffkrise zu bekommen, erfordert Einsatz.

von Vea Kaiser

10/09/2021, 02:00 PM

Eine meiner Aufgaben bei unserer Haussanierung war das Entgegennehmen von Baustofflieferungen. Wenn man in Zeiten der größten globalen Baustoffkrise baut, ist man bereit, für Materialien fast alles zu tun. Das weiß die andere Seite. Bei jeder Bestellung vermerkte ich mehrfach, dass man mich bitte eine Dreiviertelstunde vor Eintreffen der Spedition informiere, da nicht ständig jemand vor Ort sei. Ich deponierte das telefonisch, in jedem Mail, ich bettelte, flehte – und das stets umsonst. Nicht nur ein Tag begann heuer damit, dass mein Telefon läutete, während ich unter der Dusche stand.

„Baustofflieferung für Kaiser, bin in zehn Minuten da.“ Sprung aus der Dusche, rein ins nächstbeste Gewand, ab ins Auto.

Acht Minuten später abermalige Anruf:

„Bin da, wo sind Sie?“ – „Sie sollten doch eine halbe Stunde vorher anrufen!“ – „Hat mir niemand gesagt. Beeilung!“

Bis heute wundere ich mich, dass das Kind noch immer in meinem Bauch ist und bei dem ganzen Herumhetzen nicht früher zu kommen beschloss. Zur Beruhigung dachte ich mir: Die Fahrer können nichts dafür. Die stehen selbst unter großem Druck. Wie ein Mantra redete ich mir das ein, als mich ein besonders gestresster Lieferant mit einer 300 Kilogramm schweren, sehr teuren Pumpe auf dem Gehsteig stehen ließ, weil er keine Zeit mehr hatte, sie die fünf Meter in die Garage zu bringen. Und als ein Fahrer, der zum dritten Mal binnen einer Woche da war, zum dritten Mal zehn Minuten zuvor angerufen hatte und zum dritten Mal zehn Euro Trinkgeld fürs Warten wollte. Und vor allem, als ich an jenem kalten regnerischen Tag, an dem drei Lieferungen kommen sollten, schon um 5:30 Uhr auf der Baustelle war, nicht ahnend, dass es der einzige Tag sein sollte, an dem keiner vor Mittag kam und alle eine Stunde vorher anriefen.

Wie mir ein Spediteur sagte: Selbst schuld, wenn man mitten in der Baustoffkrise baut.

vea.kaiser@kurier.at

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