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Klimaschädlich oder nicht: Kondensstreifen am Himmel

Luftfahrt-Experte Kurt Hofmann beantwortet jede Woche Fragen rund ums Fliegen. Diese Woche: Stimmt es, dass Kondensstreifen das Klima belasten?
Kurt Hofmann
Ein Flugzeug zieht Kondensstreifen vor einem blauen Himmel hinter sich her.

Frage: Wie wirken sich Kondensstreifen am Himmel auf das Klima aus?

Antwort: Beim Klimaschutz in der Luftfahrt stand lange die Reduktion von CO₂ im Mittelpunkt, etwa durch kürzere Flugrouten oder optimierte An- und Abflugverfahren. Inzwischen zeigt die Wissenschaft: Auch sogenannte Non-CO₂-Effekte spielen eine Rolle. Dazu zählen Kondensstreifen, die unter bestimmten Bedingungen zur Erwärmung beitragen können. Sie entstehen, wenn Flugzeugemissionen in großer Höhe auf sehr kalte Luft treffen, erläutert die heimische Flugsicherung Austro Control. Bei Temperaturen unter etwa minus vierzig Grad gefriert Wasserdampf zu feinen Eiskristallen, die als weiße Streifen am Himmel sichtbar werden. Viele lösen sich rasch wieder auf. Ein kleiner Teil bleibt jedoch länger bestehen und kann sich zu dünnen Eiswolken ausbreiten. Solche langlebigen Kondensstreifen sind klimarelevant. Sie können verhindern, dass Wärme von der Erdoberfläche ungehindert ins Weltall abstrahlt, besonders in der Nacht. Studien gehen davon aus, dass rund zehn bis fünfzehn Prozent der Kondensstreifen langlebig sind und messbar zur Erwärmung beitragen. Austro Control arbeitet daran, Bereiche, in denen sich langlebige Kondensstreifen bilden können, zu identifizieren und Tools zur Vorhersage solcher Gebiete zu implementieren. Ziel ist es, Flugrouten oder -höhen anzupassen, um langlebige Kondensstreifen möglichst zu vermeiden, sofern das betrieblich möglich ist und klimatisch Sinn macht. Denn Ausweichrouten dürfen nicht zu höherem Treibstoffverbrauch und damit mehr CO₂ führen.

Zum Autor:
Kurt Hofmann arbeitet seit dreißig Jahren als Journalist sowie seit 2000 als Luftfahrt-Experte für internationale TV-Stationen. Fragen mit Betreff „Überflieger“ an reise@kurier.at 

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