Zukunft unserer Urlaube, Urlaube unserer Zukunft
Die Frage „Wie sieht der Tourismus in Zukunft aus?“ klingt trocken, aber erstens ist Trockenheit derzeit ohnehin in Mode und zweitens ist es ja schon von Interesse, wie wir in zehn Jahren urlauben und reisen werden. Nein, ich meine damit nicht futuristische Flugobjekte oder das bitte endlich zu erfindende Teleportieren (beam me up, Scotty!). Denn Utopien verändern unser Dasein oft gar nicht so sehr wie ganz einfache, aber eben kontinuierliche Veränderungen und Umgestaltungen, ein Schritt führt zum nächsten – das Leben ist eben ein bisserl mehr steter Tropfen als einfache Lösung (Ausnahme natürlich die Populisten, die können alles immer ganz easy in einem Tag verbessern, wenn sie nur endlich an die Macht kommen).
Wir sehr sich der Urlaub der Zukunft in Details formen wird, zeigt aktuell die Debatte um das „Zwischenparken“ von saisonalbedingten Arbeitslosen (auch) im Tourismus. Also die Frage, ob man Menschen für die Zwischensaison beim AMS anmelden dürfen soll. Ich will jetzt gar nicht dahergescheiteln, ob und wie oder ob nicht man das erlauben soll, aber die zu treffende politische Entscheidung wird sich auf unsere Urlaube auswirken: Wenn so etwa touristische Unternehmen dazu angehalten werden, ihre wertvollen Arbeitskräfte in der schwachen Saison halten zu müssen, wird garantiert mehr überlegt werden, wie man die schwache Saison zu einer stärkeren macht. Dass der Klimawandel die Sommersaison ohnehin (auf grausame Art) verlängert und weil er zugleich die Wintergebiete (auf noch grausamere Art) zwingt, sich schneefreie Alternativen zu überlegen – wird diese Gedanken noch befördern. Schlussendlich wird jemand rufen: Hej, so kriegen wir den Overtourism zu gewissen Zeiten auch besser in den Griff – Stichwort Entzerrung der Spitzen. Und ein anderer: Dann haben wir auch nicht diese argen Staus auf den Autobahnen und bummvolle Züge. Irgendwann wird sogar jemand (außerhalb der Lehrergewerkschaft) sagen: Wie wäre es, wenn wir Ferien mehr splitten, damit nicht alle gleichzeitig in den Urlaub fahren (müssen).
Zugegeben: Das klingt jetzt mehr nach Utopie als nach Tropfen.
Jaja, werfen Sie mir ruhig Hirngespinste vor. Manchmal muss man eben weit in die Zukunft denken, um den Lauf der Gegenwart annehmen zu können. Und insgesamt denke ich, dass manche touristische Destinationen mit ihren Gedanken, wie man ganzjährig Reisende und Urlaubsfreudige aufnehmen kann, schon viel weiter sind, als man glauben würde. Zumindest mit ihren Gedanken. Noch nicht mit ihren Öffnungszeiten und Angeboten.
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