Von der Einzigartigkeit und von angebissenen Äpfeln
Jeder kennt den Spruch: „Der Vergleich macht dich sicher.“ Ich finde eher das Gegenteil. Ständige Vergleiche machen uns unsicher. Auch der Vergleich mit früher greift oft zu kurz. Früher unterschieden sich Kindheiten am Land und in der Stadt stark – die einen gingen Skifahren, die anderen in den Fußballkäfig. Heute spielen viele gemeinsam: Minecraft oder Fußball. Auf der Konsole.
Vor 3 Tagen war die Eröffnung der Fußball-WM. Da treffen sich Menschen aus der ganzen Welt, um den Vergleich anzustellen, wer die beste Fußballmannschaft hat.
Auch wenn sich schon viele zu dem Thema geäußert haben, möchte ich noch etwas dazu sagen: zum Vergleichen! Und bitte vergleichen Sie mich nicht mit anderen, die schon einmal über dieses Thema geschrieben haben. Ich finde das Vergleichen ungerecht. Ich kenne das aus der Schule: Für den einen ist ein 4er eine Blamage, für den anderen eine große Leistung! Ich bekam einmal in der Hauptschule auf eine Mathematikschularbeit einen 4er. Ich hatte viel gelernt und viel Zeit investiert. Als ich die Schularbeit zuhause voller Stolz präsentierte, fragte mein Vater: „Was hat Robert für eine Note“? Dazu muss man wissen: Er war der Nachbarsbub und hatte einen 2er bekommen. Aber er hatte geschummelt. Das habe ich aber nicht gesagt. Mein Vater schimpfte mich. Ich fand das sehr ungerecht. Ich hatte mich wirklich sehr bemüht und für mich war das ein guter 4er. Das war ein ehrlicher Supervierer. Für so einen 4er lasse ich jeden geschummelten 2er stehen. Das war ein Wahnsinnsvierer, ein Jahrhundertvierer, eine Vierersensation! Ich glaube, Sie wissen, was ich meine. Jede Notengebung, jedes Urteil von außen, ist immer oberflächlich. Letztlich kann jeder nur selbst wissen, wie seine Leistung zu beurteilen ist.
…und von angebissenen Äpfeln
Ich finde, man muss die Verschiedenheit der Menschen viel mehr berücksichtigen! Man bekommt manchmal den Eindruck, dass beim Sport immer nur die gewinnen, die sportlich auf die Welt kommen, die Schlanken, die Trainierten. Es sollte Wettkämpfe geben für unsportliche Übergewichtige, die nicht trainieren. Zum Beispiel Apfelessen während des Jonglierens für Männer über 50 Jahre, lustig, Brillenträger, KURIER-Kolumnist und aus Linz. Da wäre ich unter den Ersten die Eins. Und wenn man so weiterdenkt, dann bin ich sowieso eine eigene Liga. Es gibt keinen Zweiten auf der Welt, der genau die gleichen Voraussetzungen hat. Das heißt, ich bin der weltbeste Günther Lainer. Dann krieg’ ich die Goldmedaille! Zugleich bin ich aber auch der schlechteste Günther Lainer. Das heißt: doch keine Medaille. Aber einen Trostpreis!
Schaut man sich Menschen genauer an, merkt man irgendwann: Vergleichen bringt eigentlich gar nichts. Jeder ist auf seine Art besonders und hat sich eine Medaille verdient, allein schon, weil es ihn gibt! So einen wie dich gibt es kein zweites Mal! Also brauchen wir keine Medaillen, weil wir ohnehin unvergleichlich sind. Und außerdem würde die Siegerehrung viel zu lange dauern.
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