Günther Lainer spürt die Nachwehen der WM
Wie jeden Sommer verließ ich im Juli das ländliche Linz und begab mich auf eine griechische Insel, die noch ländlicher ist als alles, was in Österreich als „ländlich“ bezeichnet wird. Ich saß auf der Insel Karpathos, genauer gesagt in Arkasa, noch genauer am Marktplatz, ganz präzise in meinem Lieblingsrestaurant. Dann passierte es. Am Nebentisch von mir und meiner Frau nahm Jude Bellingham Platz!
Ja, der Jude Bellingham! Der Shootingstar von Real Madrid, der mit seinen 22 Jahren schon Champions-League-Sieger, spanischer Meister und Stammspieler der englischen Nationalmannschaft ist. Gerade noch bei der WM 2026 und jetzt saß er da. In Arkasa. Mit Sonnenbrille und seiner Begleitung. Was macht er ausgerechnet hier, in diesem kleinen griechischen Dorf? Klar musste er sich erholen und er hatte es sich verdient. Da ist so ein unscheinbarer Ort die ideale Rückzugsstätte. Aber dachte er wirklich, er bliebe unerkannt? Es war schon auffällig, dass niemandem außer mir auffiel, wer hier saß. Kurz dachte ich auch an versteckte Kamera. Ich hatte mir schon vorgestellt, wie Barbara Schöneberger aus der Küche mir mein Moussaka serviert und hinter ihr ein Kamerateam vom ZDF mit „Verstehen Sie Spaß“-Schildern.
Ich wollte ihn ansprechen. Ein Selfie. Zumindest ein Autogramm auf einer Serviette. Ja, sehr altmodisch, aber eine Erinnerung fürs Leben. Oder ich sage ihm ein einfaches „Great Tournament!“ Ich sagte nichts. Offizieller Grund: Ich wollte seine Privatsphäre respektieren und ihn einfach in Ruhe lassen. Er sollte seine verdiente Auszeit genießen. Wahrer Grund: My English is not the Yellow from the Eck.
Als ich meiner Frau unauffällig Jude zeigte, meinte sie nur, dass unser Urlaub vielleicht doch zu lange sei. Ich wollte sofort googeln, ob das wirklich Bellingham war – aber es gab diese Abmachung: Kein Handy beim Essen im Urlaub. Also diskutierte ich mit meiner fußball-uninteressierten Frau, die mich fragte, was „FIFA“ eigentlich ausgeschrieben bedeutet. Ich wusste es nicht und konnte auch nicht digital nachhelfen. Sie erklärte es mir: „Football is for all - Fußball ist für alle“. Damit hatte sie mich überrascht, denn eigentlich sollte dieser Spruch das Motto für die FIFA sein, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Dann meinte sie, dass Fußball wirtschaftlich völlig belanglos sei. Ich erklärte ihr, dass Fußball einen hohen Wirtschaftsfaktor hat: von Sponsorenverträge bis hin zu Bierlieferanten, Currywurstständen, T-Shirt-Verkäufern, Livestream-Abos und VAR-Instruktoren. Wie viele erfüllende Jobs da dranhängen!
Fast Promi-Dinner
Zurück zu Jude. Ich mochte ihn schon immer als Spieler. Nun sah ich ihn essen und später noch einen Ouzo trinken. Im Apartment nahm ich sofort mein Handy und tippte heimlich im Badezimmer. „Bellingham Arkasa“ ein. Dann las ich im deutschen Online-Boulevardmagazin „Promiflash“ (ich wusste vorher gar nicht, dass es das gibt): Jude Bellingham postet verliebtes Foto mit Freundin Ashlyn aus Hawaii! Ich weiß nicht, ob es sein Zwillingsbruder war oder einfach nur ein griechischer Urlaubstraum am Meer. Aber für einen Moment saß da neben mir in Arkasa Jude Bellingham, ich schwöre!
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