Günther Lainer und die Wuchtl: Alles andere ist primär!
In einer Woche ist das Finale der längsten Fußballweltmeisterschaft der Geschichte Geschichte. Einige werden sich fragen, warum ich über Fußball schreibe. Ich liebe diesen Sport, so wie viele Menschen – egal, ob sie in der Stadt leben oder auf dem Land. Fußball lenkt uns ab und lässt uns in eine andere Welt eintauchen.
Außerdem hat der Name Lainer im österreichischen Fußball einen guten Klang. Und wirklich bin ich mit zwei Namensvettern weitschweifig verwandt: Mit Leo Lainer und mit Stefan Lainer. Der Vater von Leo Lainer und mein Vater waren Großcousins. Also eigentlich sind wir sehr verwandt. Aber das Ärgste: Mein Urgroßvater väterlicherseits und der Großvater von Hans Krankl mütterlicherseits waren angeblich zwei alte Männer. Das sagt, glaub’ ich, alles.
Fußballer und Kabarettisten haben sehr viel gemeinsam. Einige Beispiele: Das Ziel beim Fußball und im Kabarett ist sehr ähnlich: Man möchte einen Treffer landen. Das genaue Setzen einer Pointe entspricht dem Erzielen eines Tores. Fußballspieler und Kabarettisten sind beim Volk sehr beliebt. Sie unterhalten die Leute und tragen mit ihrer Arbeit zu Spaß und Erholung bei. Und für rund zwei Stunden vergessen alle Beteiligten den Alltag. Beiden Berufsgruppen schaut man beim Arbeiten zu. Dem Fußballer im Stadion. Dem Kabarettisten auf der Bühne. Oder auch im Fernsehen. Was der Zuschauer aber nicht sieht, und das gilt auch für beide Seiten, ist die viele Arbeit hinter den Kulissen. Beim Fußballer ist es das Training. Bei uns sind das die Proben. Beim Fußballspiel heißt es Taktik und Strategie, bei uns heißt das Programm schreiben und Text lernen. Und was uns noch verbindet: Jeden Tag zwei Stunden in der Kraftkammer, damit wir auch körperlich Höchstleitungen bringen können. In den Trainingspausen greifen wir zum Handy: Die Kicker schauen sich Kabarett-Videos an, die Kabarettisten die besten Szenen aus dem letzten Match.
Das, was man beim Fußballspiel oder beim Kabarettprogramm sieht, sind nur 20 Prozent von der Arbeit. Im Fußball gibt es einen Trainer. Uns Kabarettisten dirigiert der Regisseur. Auch Kabarett kann mitunter ein Teamsport sein. Wenn ich mit Kollegen bei „Was gibt es Neues“ sitze, legen wir uns auch die Pointen auf, damit der andere trifft.
Die Wuchtl
Fußballer und Kabarettisten sagen, wenn sie zur Arbeit gehen: I geh’ „spün“. Ihr Beruf ist ein Spiel, das in beiden Fällen etwa 90 Minuten dauert. Zweimal 45 Minuten plus Verlängerung bzw. Zugabe. Fußballer und Kabarettisten brauchen Publikum und möglichst viele Fans. Im Idealfall. Eine besondere Gemeinsamkeit von Fußball und Kabarett gibt es nur in Österreich bzw. in unserer Sprache: „Die Wuchtl“! Ein wunderschönes Wort, das sowohl den Lederball als auch die Pointe, den „Schmäh“ im Kabarett, bezeichnet. Ob im Praterstadion oder im Wörthersee Stadion, ob im Orpheum oder im Posthof: Die Leute warten auf die Wuchtl.
Sie sehen, Fußball und Kabarett sind eng miteinander verwandt und vereinigen sich in meiner Person vorzüglich zur schönsten Nebensache der Welt. Alles andere ist primär!
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