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Heimliche Auszeit: Während sie arbeitet, erholt er sich am Bach

Wer sein eigener Chef ist, hat Vorteile im Sommer. Welche er vor seiner Frau geheim hält, schreibt René Freund.
René Freund
Ein Glas mit einem hellen, schäumenden Getränk vor dunklem Hintergrund.

Im Juni habe ich ein Gespräch mit meinem Chef geführt. Mein Chef ist ein guter Kerl, aber ziemlich streng. Er war alles andere als begeistert von meinem Wunsch, es im Sommer auf dem Lande einmal ruhiger angehen zu dürfen. Ob ich es Altersteilzeit oder Saison-Kurzarbeit nannte, war ihm egal, er wollte wissen, wovon ich zu leben gedachte. Von den Früchten des Gartens, entgegnete ich, weil ich dann mehr Zeit haben würde für Salat und Gemüse. Und außerdem, wer weiß, wie viele Sommer wir noch haben ...

„Das ist ein unfaires Argument“, sagte er, gab sich aber gnädig und mir mehr Freizeit. Ja, ziemlich genau so verlief das Gespräch zwischen mir und meinem Chef, also mir. Angesichts des prachtvollen Sommers und der heißen Temperaturen, die zum Schreiben hochgeistiger Prosa denkbar ungeeignet sind, bin ich sehr glücklich, dass ich mich gegen mich durchgesetzt habe.

Frau Freund freilich hat das Pech, dass ihr Chef eine leibhaftige, eigenständige Person ist. Was zur Folge hat, dass sie ausgerechnet jetzt im Sommer fast die ganze Woche in Wien verbringt und dieser Sache nachgeht, die mit A beginnt ... Arbeit, richtig, so heißt das Wort! „Du bist eine Zumutung“, zischt mir Frau Freund folgerichtig am Telefon gerne zu, wenn ich ihr vom Leben auf dem Land berichte. Um sie zu besänftigen, simuliere ich Rasenmäh- und Blumengieß-Burn-outs oder erwähne, dass ich leider nichts Anständiges gelernt habe.

Zehn Deka Kindheit

Wenn Frau Freund am Freitagabend ausgelaugt nach Hause kommt, habe ich bereits das Abendessen mit dem frisch geernteten Gemüse (immerhin sieben Cocktailtomaten) geschickt inszeniert angerichtet. Sie legt Melanzani und Mangold und riesige Ochsenherz-Tomaten daneben. Am städtischen Markt wächst das Gemüse doch üppiger als bei uns in den Voralpen. Ich öffne Prosecco, heiße Frau Freund zu Hause willkommen, worauf sie immer mit derselben Frage reagiert: „Und, was hast du so getrieben?“

Ich erzähle nicht viel. Auf keinen Fall, dass ich ziemlich oft den Rucksack packe und an den Bach fahre, der in den Bergen entspringt und durch unser schönes Tal mäandert.

Dort, an meinem Geheimplatz, breite ich meine kleinen Schwimm- und Leseutensilien aus, lege die Badematte in den feinen Kies, kühle mein Bier im kristallklaren Wasser und freue mich des Lebens sowie auf meine Retro-Jause mit zehn Deka Kindheitserinnerung: ein Semmerl mit Polnischer und Gurkerl. Das muss ich mir allerdings verdienen, also dreimal im Bach untertauchen und mindestens fünf Seiten im Buch lesen, erst dann gibt es Essen. Und nach dem Essen soll man ruhn und erst später wieder baden und lesen tun. Es ist nicht leicht!

Aber – liebe Leserin, geneigter Leser, das muss unter allen Umständen unter uns bleiben. Falls Sie also Frau Freund in Wien bei der Arbeit sehen sollten, sagen Sie ihr kein Wort davon. Ich würde sonst Ärger bekommen, nicht zu reden von meinem Chef!

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