Kolumnen
02.07.2018

Sex im Auto - und kein Ende

© Bild: Ela Angerer

Man könnte meinen, dass der Reiz an Sex im Auto der Vergangenheit angehört. Falsch gedacht, wie eine neue Umfrage zeigt.

Manchmal denkt man: „Gibt’s das noch?“, beziehungsweise: „Wie lang hat’s das  gegeben?“ Und googelt dann Sachen wie „Testbild“ oder „Hustinettenbär“. Zur Info: Letzterer wurde im Jahr 2009 im Alter von 43 Jahren zu Grabe getragen, davor war er  ein Symbol für „Kraft und Gesundheit“. Motto: „Nehmt den Husten nicht so schwer, jetzt kommt der Hustinettenbär.“  Und das Testbild ist laut Wikipedia auch schon tot, seit der ORF durchgehend sendet.

Wackelvehikel

Unlängst ging ich spazieren und kreuzte einen Parkplatz nahe eines Walds. Das einzige dort geparkte Auto, ein manierlicher Kleinwagen, wackelte. Ich hatte nicht nur sofort ein „Aha“ im Kopf, sondern auch ein Bild aus Jugendtagen, als man aufgrund Raumnot im Auto ehschonwissen. Neugierig, aber respektvoll ließ ich das Wackelvehikel links liegen, ich habe nie erfahren, was darin tatsächlich geschehen ist. Vielleicht hat ja nur jemand das Innenleben des Fahrzeugs leidenschaftlich geputzt, geturnt oder eine noch unbekannte Meditationstechnik ausprobiert. Gleichzeitig stellte ich mir die eingangs erwähnte Frage: „Gibt’s das überhaupt noch?“ Ja, gibt es. Eine aktuelle Umfrage im Auftrag von AutoScout24 ergab, dass zwei Drittel der Österreicher (Sample waren 502 Autobesitzer) im Auto Sex haben. Was dort eher selten bis gar nicht getan wird: rasieren und rauchen. Wobei es Geschlechterunterschiede gibt: Frauen finden es weniger prickelnd, im Liegesitz, womöglich einen „Wunderbaum“ im Blick, dem Orgasmus entgegenzustümpern. Männer sind der Idee eher zugetan – so ein rescher Parkplatz-Quickie, allerweil. Immer wieder hört man ja auch von sexuellen Handlungen während der Fahrt, die sind natürlich verboten, aber möglich. Es braucht hier nur jemanden, der’s mag und kann, also  entsprechend gelenkig ist.

Was aber macht Sex im Pkw so spannend? In erster Linie wohl der „Wuhu, schoaf“-Faktor, was zu tun, was  verboten ist. Sex im Auto hat immer noch was Dreckiges. Außerdem kann jederzeit ein älterer Herr mit Rucksack vorbeikommen und sich aufregen, es schwingt bei Auto-Erotik also oft Zeigelust mit. Spontaneität ist  ein weiterer zentraler Punkt. Mitten am Gürtel sind zwei plötzlich geil, Blinker raus, ab in ein einsames Gasserl. Dann aber tun sich wichtige Fragen auf: Hinten oder vorn? Sex auf der Rückbank ist auf seine Art bekömmlicher, weil man sich nicht dauernd Popsch, Steißbein oder die Kniescheibe am Steuerknüppel oder der Handbremse anhaut. Hinten ist auch für Doggy-Style perfekt, so die Fahrgastraumgröße passt. Je mehr SUV, desto besser, ansonsten muss man als Partnerin auf allen Vieren mit Kopf-Fenster-Konflikten rechnen, außer man versucht’s im Yoga-Style in der alternativen „Herabschauender-Hund“-Position. Ich  kann mich  noch an die Freundin erinnern, die sich die Zehen im Handschuhfach eingezwickt hat. Sie schrie, er dachte, sie sei so wahnsinnig geil. Zwei Wochen später fiel ihr der Nagel ab. Vermutlich ist das alles irgendwann eine Frage des Reifegrads, je älter, desto nein. Man wird bequemer und weniger flexibel (sprich: beweglich). Allenfalls ginge da noch was in einer Stretchlimousine „for rent“, aber ehrlich: Da kann man gleich in die „Kaisersuite“ vom  „Orient“ vögeln gehen.