Kolumnen | Schule und der Rest des Lebens
01.04.2018

Niki Glattauer: Kein Aprilscherz jetzt

Rein sportlich war der Februar für sportlich Begeisterte, zu denen ich passiv durchaus gehöre ;-), der Monat des Jahres.

Nein, nicht, weil wir als Marcel Hirscher zum 7. Mal den Gesamtweltcup geholt haben, was weltweit vielleicht mit weniger emotioneller Teilhabe aufgenommen wurde, als man sich das zwischen Schnee- und Arlberg so vorstellt, nein, der vergangene Februar markierte insofern eine Zäsur in der Sportgeschichte, als in diesem Monat der Schweizer Roger Federer im 37 Lebensjahr und nach verletzungsbedingter fünfjähriger Pause wieder zur Nr. 1 der Tennis-Weltrangliste wurde. Mit 36,8 Jahren die Nr.1 in einer Liga, in der wirklich die ganze Welt mitspielt. Quasi die Quadratur des Kreises in 3-D.

Aufmerksam darauf wurde ich durch Lektüre der aktuellen Ausgabe des VOR-Magazins (hängt in allen gut sortierten Wiener U-Bahnen), in welchem Chefredakteur Christoph Langecker diesem Umstand sein Editorial widmet. Jetzt ist das, werden Sie sagen, bitte keine Schulgeschichte! Doch, denn Langecker erinnert sich in seinem Text an ein persönliches Gespräch mit Federer, in dem dieser sein Erfolgsrezept so beschrieb: „ Man sagt, dass man an seinen Schwächen arbeiten soll. Ich sehe das anders. Man sollte an seinen Stärken arbeiten, denn die zahlen am Ende des Tages deine Rechnungen.“

Dieser Satz sollte in allen Schulen dieses Landes über den Schultoren hängen, gleich neben VS, AHS, NMS, BS oder BHMS.

Eine Pädagogik, die versucht, an den Schwächen heranwachsender Menschen herumzudoktern, ist mit Verlaub Kreidezeit. Kein Kind sollte mehr Zeit dafür aufwenden, etwas zu üben, was es nicht kann, als dafür, genau das zu üben, was es gut kann. Und hört mir jetzt bitte ja auf mit Noten, Zeugnissen und Aufnahmsprüfungen. Und das ist jetzt kein Aprilscherz! niki.glattauer