Polly Adlers „Chaos de luxe“: Die Bettrahmen-Frage
Warum die Gen Z-Girls ihre Typen wie Babies behandeln.
„Und? Hat er schon einen Bettrahmen?“ Das war die Fangfrage, die ich meiner Tochter stellte, wenn sie mir von einer neuen Herrensache in Berlin erzählte. Sie war da recht offen. Manchmal auch zu offen, denn warum sie sich in ihrer 30-plus zu einem Zungen-Piercing entschieden hatte, wollte ich eigentlich gar nicht so genau wissen.
Warum ein Bettrahmen ein so symbolbefrachtetes Accessoire ist, dass auch einem entscheidenden Hinweis gleich kommt, in welcher Liga der Knabe gegenwärtig mitspielt? Nun ja, die meisten Typen, die das Kind im Laufe der Jahre so an Land gezogen hat, finden Erwachsensein „is not giving.“ Sie wollen gerne irgendwann etwas mit „Kreativität“ machen. Was genau? „Keine Ahnung, was Cooles, nada Mainstream.“
Verstehst du, du musst deine eigene Brand werden.” In solchen Prozessen stören Bettrahmen natürlich, durch ihre „voll einengende Wirkung.” Sie sagen auch gern nach jedem Satz „voll”. Der Fortpflanz steht wirklich fest im Leben, aber sie hat die Tendenz, ihre Typen wie Kleinkinder an der Hand zu nehmen, sie zu „Was-ist-genau-dein-Plan-im -Leben”-Grundsatzgesprächen zu zwingen und ihnen vielleicht noch eine „gesunde Jause” zu richten, denn meistens sind das auch solche die Quinoa-Salate nur mit schreckensgeweiteten Augen betrachten.
Die Zeitgeist-Publizistik hat für diesen vor weiblicher Fürsorglichkeit strotzenden Typen den Terminus „Gen Z-Mommy“ geprägt. Wobei hier noch hinzukommt, dass die Girls meistens mehr verdienen als die ausgewachsenen Babys an ihrer Seite. Ab und zu will man dann doch in ein Restaurant mit Tischtüchern und dann zücken die Mommy-Lover milde lächelnd ihre Applepay-App.
Ob Mitleid als Aphrodisiakum auf die Dauer taugt, steht zu bezweifeln. Aber was haben wir Boomer-Mums in solchen Fällen immer abrufbereit? Genau, die Phrase „Hauptsache, du bist glücklich.“ Gelogen natürlich, voll.
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