Polly Adlers „Chaos de luxe“: Im Würgegriff des Rückwärts-Merkurs
Dauerbrenner-Kommandos von Chris.
Mach die Mücke, rückläufiger Merkur! Meine den Gedanken der Aufklärung verpflichtete Hirnhälfte sträubt sich zwar, aber es ist tatsächlich so, dass es momentan an allen Ecken und Enden tuscht. Friedfertigste Menschen rupfen sich die Haare büschelweise vom Kopf, schlecht verdaute Kränkungen bahnen sich ihren Weg, verpackt in Aggressionsrülpsern. Die Zivilisationsdecke kriegt Laufmaschen. Und es sind meistens Fliegenschisse im Universum, also völlig vernachlässigbarer Kleinkram, der die Leute hoch gehen lässt. Bei echten Katastrophen erstarren sie sowieso in Schweigsamkeit.
Kürzlich hatte ich einen kleinen Parkunfall, ein paar Kratzer, null dramatisch. Der Erregungsgrad, der die Lenkerin („Sind Sie des Wahnsinns? Schauen, schauen, das sieht man doch!“) befiel, wäre einer in einer Blechlawine mündenden Autobahnkarambolage angemessen gewesen. Meine auf Harmonie und Reue gebürstete Entschuldigung brachte sie noch mehr auf die Palme.
In Österreich hat man sich aufzuregen, wenn Kotflügel miteinander schmusen. Mir war es leider zu wurscht, denn ich hatte gerade mit echten Tragödien in meinem Freundeskreis zu kämpfen, die von so surrealer Wucht waren, dass man jeden Tag beim Erwachen hoffte, es habe sich nur um ein Traumgespenst gehandelt. Chris Corsini, mein Instagram-Astrologe, meint, dass ich unter gar keinen Umständen in „Mercury-Retrograde“-Phasen Verträge unterschreiben sollte.
Leider zu spät gelesen. Vielleicht könnte mein Jupiter sein Burnout beenden und asap in die Gänge kommen? Ende Oktober turnt der Merkur nämlich erneut im Rückwärtsgang. Corsinis Befehl lautet „Schütze dich vor der negativen Energie anderer!“ Aber dieses Kommando ist sowieso ein Dauerbrenner.
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