Polly Adlers „Chaos de luxe“: Kampfsport Hochzeiten
Noch schlimmer als Scheidungsparties: mehrtägiger Hochzeitswahnsinn.
Ich bin ja inzwischen mehr auf Scheidungsparties eingeladen als auf Hochzeiten. Dort schießen kreischende Damen unter Cremant-Dauerbeperlung auf Dartscheiben, auf denen das Konterfei des frisch entsorgten Ex prangt.
Auf Torten thronen Plastik-Pärchen, die sich duellieren. So quasi die Anti-Hochzeitstorte. Und wenn die amtierende Geschmacksfee die Gastgeberin verwunschen hat, kommen dann noch eventuell betagte Stripper in Fake-Polizeiuniformen, die sich zu Baptistes „Freedom“-Hymne die knappen Höschen von den Lenden pflücken.
In hysterischer Aufgeräumtheit versichert man sich, dass das Leben jetzt erst so richtig los fetzt. Aber fast noch schrecklicher sind die Zirkus-Hochzeiten, zu denen die konservativen GenZler und Millennials trommeln. Da bin ich ja nur Zaungast, aber ich lausche, was die Girls so zur High Season seufzen. Wenn man das Pech hat, mit der Braut eng befreundet zu sein, steht man unter totalem Outfit-Terror.
Denn nicht genug, dass man eine Bachelorette-Party mindestens in Lissabon feiern muss, wo Penisluftballon-Gruppenzwang herrscht und später beim Probe-Dinner antanzen soll, um die geeiste Melonen-Scampi-Kaltschale mit Orgasmus-Geräuschen zu quittieren. Dann braucht man noch für die auf Fliederfarben getrimmte Braut-Soirée einen Fummel, bei der Trauung selbst ist couragiertes Lachs angesagt, ein glamouröses Party-Fähnchen für abends und natürlich findet die ganze Chose außerhalb von Wien statt, im besten Fall im Salzkammergut, im schlechtesten auf Ibiza oder in Venedig.
Faktenfundierte Erkenntnis: Je opulenter die Hochzeit, desto schneller geht die Ehe krachen. Eine Freundin, deren Hobby Ehen sind, flüsterte mir einmal während der dritten Runde: „Was soll ich denn machen? Ich heirate einfach so wahnsinnig gerne.“
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