Adieu, mon Patron!
Wie man im Café Engländer das Schmähtandeln erlernte.
Als ich meiner Mutter erklärte, dass ich schwanger war, sagte sie lapidar: „Du wirst das Kind im Café Engländer vergessen.“ Man muss hinzufügen, dass ich damals nicht 15 war, sondern 31. Ein Jahr jünger, als der Fortpflanz heute ist. Heute vergisst mich das Kind in „England“. „Wir gehen nach England“, hieß es in unserer damaligen Prä-Fortpflanz-Truppe, möglicherweise verbrachte ich dort mehr Zeit als in der eigenen Wohnung.
Hier wurde gestritten, ver- und entliebt, manchmal flogen Gläser, ein wirklich allerletztes Achtel ist aber immer gegangen, zwischen Drama und Komödie blieb kaum ein Genre unbespielt. Tatsächlich war das Café in der Postgasse sowas wie ein Kachelofen und Trainingslager für viele, die sich Anfang der 1990er-Jahre aufwärmten, um der Welt ein bis acht Haxn auszureißen.
Wer im „Engländer“ nicht in der Lage war, den Schmäh auf der Fast-Forward-Taste zu tandeln, durfte nicht mitspielen. Der Schmäh musste rennen, weil sonst „das Gespräch einfriert, die Engel in den Raum treten und die Klammheit eines Wartezimmers ausbricht“.
Schöner als Karl Ferdinand Kratzl kann man es tatsächlich nicht sagen. Ohne seine Patroni C, A und W wäre das „Engländer“ eines wie viele Cafés gewesen. Alle drei besaßen unendlich viel Zärtlichkeit für Verhaltensoriginelle. Und hassten neumodischen Firlefanz. Die letzten Jahre beatmete C, die Sorgen unter edlem Tuch getarnt, sein Café im Alleingang.
Jetzt ist unser Patron, Freund und Herzensmensch abgereist. Wenn wir, die Englandistas, demnächst an seiner Grube stehen müssen, werde ich an H.C. Artmann denken, der seinem ebenfalls hart abgegangenen Kumpel Konrad Bayer ins Grab rief: „Kräul auße, du Oarschloch!“ Ich werde es wohl leise sagen.
Er kann mich sicher trotzdem hören.
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