Polly Adlers "Chaos de luxe": Kalbspariser forever!
Goldene Momente von Affektkontroll-Verlust.
"Sollen wir noch von der Kalbspariser, Bärli?" – "Gute Idee, Honigknopf. Aber vergiss nicht, dein Cholesterin ..." Wir standen an der Wursttheke, meine frisch geschiedene Freundin F knurrte: "Können diese Typen ihren Kosenamen-Ausfluss in der Öffentlichkeit irgendwie unter Kontrolle kriegen? Unpackbar!" Ihre Bemerkung hatte tödliche Blicke von Kalbspariser-Bärli zur Folge, in Begleitung des Satzes: "Na, da ist ja wer sehr verbittert."
Ich bemerkte, dass sich bei F etwas einstellte, was auf der psychiatrischen Diagnose-Liste unter Affektkontrollverlust lief. Sie pflanzte sich vor dem Mann auf, dessen himbeerfarbenes Ralph-Lauren-Polo farblich mit seinem Teint korrespondierte, (Typ Immo-Hai mit Golfpassion): "Ja, Honig-Bärli. Ich bin verdammt verbittert. Und weißt du warum? Der Kurti, dessen Kinder ich in der Teilzeitmühle für dieses beschissene Leben gepimpt hat, schickte unserer Paartherapeutin Dick-Pics, die die mit dem Satz 'Ist das alles für mich oder kommt noch wer?' kommentierte. Original! Was bei mir zu einer massiven Paare-die-sich-lieb-haben-Unverträglichkeit führte. Deswegen würde ich darum bitten, diesen Infantil-Talk in die eigenen vier Wände zu verpflanzen."
Die Wursttheken-Dame reichte F jetzt zur Beruhigung eine Scheibe Kalbspariser, offensichtlich hatte sie eine ähnliche Kränkungsbiografie. Auch Frau Honigknopf wurde von Loyalität überflutet und umarmte meine Freundin: "Viel Kraft noch! Mein Mann meint es nicht so." Und der schüttelte F jetzt die Hand und brummte: "Ich bin übrigens der Erich." – "Na also", sagte F, "geht doch!" Es war ein Szenario, das mir meinen Glauben an die Liebenswürdigkeit der Menschheit retournierte. Kalbspariser forever!
Polly Adler eröffnet am 13. 6. das "Fine Crime Festival" in Graz mit ihrem Krimi "Pardon …"
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