Polly Adlers "Chaos de luxe": "Dreck im Auge? Zu mir!"
Raus aus der Einflugschneise zu den Pflegefällen
Kürzlich fragte mich eine Polit-Koryphäe, die einige Lebenskilometer mehr auf dem Tacho hat, aber noch voll aktiv ist, warum ich Single bin. "Sehr verehrte Frau Doktor", antworte ich, "ich befinde mich altersmäßig gerade in der Einflugschneise für Pflegefälle. Und ich habe null Florence Nightingale-Gen." Glühendes Nicken.
Tatsächlich sind die meisten Männer in unserem Alter wesentlich älter. Während Frauen sich mit Kobra-Positionen, Einschlafmeditation, Versuche, einem Gemüse wie Brokkoli Sex-Appeal zu verleihen, vital jazzen und ihrem Hirn Denkdünger in Form von Kunst, Theater und Literatur zuführen, sind viele Männer zwar in der Disziplin Selbstliebe Weltmeister, aber beim #selfcare nach oben weit offen.
Neben denen, deren Lieblingshobby "sich gehen lassen" ist, gibt es dann noch die Sport-Bulemiker, die sich durch Bewegungsvarianten peitschen, die der Welt signalisieren sollen "Das Alter kann mich mal!" Was auch nicht gesund ist. Aber natürlich gibt es auch Männer in späteren Jahren, denen der Dreck im Auge geblieben ist. Ich für meinen Teil habe den vollen Crush auf den eisgrauen Henry Hübchen (78), der gerade in der Netflix-Serie "Unfamiliar" ein BND-Mastermind spielt.
So ein Typ eben, für den ein normaler Arbeitstag mit einer Schusswunde beginnt. Er ist um Tonnen attraktiver als der eigentliche, um 20 Jahre jüngere Held des Geschehens, der leider beim Haar-, Bart- und Brauenfärben zu tief in den Schneewittchen-Topf gegriffen hat und wie ein Aida-Statist auf einer Provinzbühne wirkt. Henry könnte mein Pflege-Gen durchaus aktivieren. Für 2, 3 Tage zumindest. Und bitte: Kann sich irgendjemand erbarmen und Männern beibringen, wie man sich die Haare verhältnismäßig unpeinlich färbt?
Polly Adler liest in Schwechst
Polly Adlers „Chaos de luxe”-Lesung in der Stadtbücherei Schwechat
Freitag 13. März, 18 Uhr, Eintritt frei: Anmeldung erbeten
+43 1 707 41 31 oder buecherei@schwechat.gv.at
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