Polly Adlers "Chaos de luxe": Kandierte Granatapfelkerne im Nabel
Emotional baggage-Geschleppe am Valentinsabend
Heute ist V-Day. Die Arena ist offen für Valentins-Dramen aller Art. Bei den Herren herrscht höchster Herzchen-Alarm: Kandierte Granatapfelkerne aus ihrem Bauchnabel knabbern? Gemeinsames Pilzesuchen im Whirlpool einer Therme? Plus: Sich die weißen Frotteemäntel nach einem lasziven Besuch der Kräutertee-Bar vom Leib fetzen? Fresiensträußchen an einer BP-Tankstelle jagen?
Im Gegensatz zu Hochzeitstagen oder Wiegenfesten fällt die Ausrede mit dem "So sorry vergessen" hier kracheflach. Denn seit Wochen Präventiv-Belästigung auf allen Werbekanälen. In Form von glückstrunkenen Übernahmen von Merci-Regimentspackungen. Für uns romantisch auf Null-Diät gesetzte Single-Frauen bleibt da nur noch ein Kopfsprung in einen Jane-Austen-Roman. Oder "Bridgerton"-Bingen.
Eintauchen in Welten, wo es um echte Fallhöhen in der Liebe ging. Frauen Spitzentaschentücher fallen ließen, um eine Nanosekunde seinen Atemhauch beim galanten Aufheben zu spüren. Ihre Tränen auf Büttenpapier kratzten, wenn er zwangsverheiratet wurde, um den Familienbesitz vor dem Bankrott zu retten. Oder den GenZ-Girls lauschen, wenn man dringend etwas Romantik-Desillusionierung braucht.
Wenn die über ihre Typen reden, hört sich das so an: "Voll der emotionale Vermeider, der Haberer, der hat echte Attachment-Issues" oder "Das emotional baggage, an dem der sich abzaht, triggert in mir jede Menge Mikrotraumen" oder "Red flags, wherever I look ... ich meine das lovebombing ist ja voll cringe". In solchen Momenten muss ich an Tony Soprano aus der Mobster-Serie denken. Als er seine Psychiaterin über den Schreibtisch bog, tätigte er die Ansage: "You are a woman, I’m a man ... end of story."
Kommentare