Polly Adlers "Chaos de luxe": "Kauft euch ein Auto ohne Dach!"
Über die Infantilisierungsprozesse mittelalter Männer
Verrohungs-Lamento. Ich würde meinen Reifungsprozess ja gerne ein paar Jährchen zurückdrehen, bin aber nicht unfroh, aus der offensichtlich stetig wachsenden Zielgruppe der Dickpics-Empfängerinnen herausgeplumpst zu sein. Die ganz naive Frage, die man sich in diesem Zusammenhang stellen darf: Was geht mit mittelalterlichen Männern, die Verführungs-Zielpersonen Fotos ihrer aufrechten Geschlechtsorgane zukommen lassen?
In grauer Vorzeit wurde ich einmal in die Schule zitiert, weil ein Klassenkamerad meiner Tochter Zeichnungen in den Spind gelegt hatte, die wenig Deutungsspielraum zuließen. Doch der Knabe war elf Jahre alt und prä-pubertär verwirrt. Wie infantilisiert kann man im Krisengebiet der Lebensmitte werden? Kauft euch ein PS-protzendes Auto ohne Dach, liebe männliche Mitbürger, oder kriegt euren Kopf mit Sportbulimie frei.
Da kann ich nur Anaïs Nin zitieren, die einem pornografisch verseuchten Briefkumpanen zuzischte: "Wir hassen Sie. Das Geschlechtliche verliert alle Magie, wenn es überdeutlich und mechanisch dargestellt, wenn es zur fixen Idee wird." Über allen Debatten bezüglich plumper Beiwohnungsattacken weht natürlich die weiße Flagge der Einvernehmlichkeit. Möglicherweise gibt es ja Damen, die zu solchen Botschaften ermuntern und sich geschmeichelt fühlen.
Denken wir an den heutigen König von England, der in einem Telefonat seiner damaligen Maitresse Camilla zugesäuselt hatte, als Tampon in ihrem Schlüpfer wohnen zu wollen. Sie soll geantwortet haben: "Du Idiot ... was für eine wundervolle Idee!" Heute tourt sie tapfer neben ihm und streichelt milde lächelnd Scheitel Spalier stehender Kinder. Aber so rosig glimpflich geht die Sache in der Regel bekanntlich nicht aus.
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