Polly Adlers "Chaos de luxe": Nachtasyl-Alarm

Am Pannenstreifen des Lebens gelandet.
Polly Adler
Eine lächelnde Frau mit Sonnenbrille, dargestellt in einem Aquarell-Stil.

Es war halb zwei Uhr morgens, als ich nach einer Sause nicht in meine Wohnung konnte. Mein Übernachtungsgast hatte innen den Schlüssel stecken lassen. Sein Handy war auf lautlos; sein Schlaf gesegnet. Der Schlüsseldienst-Mann zeigte sich perplex: „Gnädigste, Ihnara Sicherheitstür Weltspitze!“ Er bekam sie nämlich nicht auf. Lauscher auf, zukünftige Einbrecher!

Ich rief eine Freundin an, die Psychiaterin ist, also Kummer gewohnt: „Ich brauche ein Nachtasyl.“ Grünes Licht! Wir hatten noch Spaß bis vier Uhr morgens – mit Calvados und Schnurren. Man braucht Freunde im Leben, die man anrufen kann, wenn man am Pannenstreifen des Lebens gelandet ist. Das ist der Schlüssel für solche ohne Ablaufdatum. 

Goodtime-Charlies, die durch dein Leben schweben, wenn es gerade eine Amüsierbude ist, gibt’s wie Sand am Meer. Schnorrer, die, wo immer sie sich etwas abgraben können, zur Stelle sind, ohne je etwas in den Freundschaftstopf zu werfen, detto. Und dann existieren natürlich auch so Zweck-Zuwendungen, wo man beruflich vertäut ist, aber in der freien Wildbahn eher nicht die Köpfe zusammen stecken würde. Als ich die Story in einem Philosophikum über die kleine Schwester der Liebe in die Runde warf, hoben ein paar die Hand und erklärten mir eidesstattlich dass ich jederzeit, egal in welchem Zustand, bei ihnen andocken könne. 

Womit wir beim Zweitwichtigsten sind: Pflege, Instandhaltung, regelmäßiges Gießen und sei es nur durch ein Old-School-Wie-geht’s- dir-ich-ruf-echt-nur-so-an-Telefonat. Kürzlich einen herrlichen Spruch von Heimito von Doderer auf dem Staatsopern-Insta reingespült bekommen: „Über die schlampig hängende Brücke einer unwahren Nähe (...) kann nur Übles gehatscht kommen.“

pollyadler.at, polly.adler@kurier.at 

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