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Kolumnen
02/14/2021

Paaradox: Boshaftigkeiten

Wenn der eine etwas gut meint, bedeutet es noch lange nicht, dass der andere es gut findet. Im Gegenteil. Und vor allem nicht, wenn es um das Ordnungsprinzip geht.

Sie

Jemandem etwas zu Fleiß machen. Wienerisch: Wem was z’fleiß mochn oder auch, im Sinne ehelicher Zwiegespräche: Das hast du absichtlich gemacht! Es soll schon vorgekommen, sein, dass zwei einander etwas in dieser Art vorwerfen. Auch der Mann nebenan unterstellt mir mitunter Bosnigeltum. Etwa, wenn ich sein Eigentum verstecke, wie er meint. Damit ist Pulli, Pass, Geldtasche, Brille oder Autoschlüssel gemeint. Sachen, die er im Zuge verhaltensauffälliger Ich-bin-so-wahnsinnig-beschäftigt-Attitüden gerne wo fallen lässt. Weil er halt mit wirklich wichtigen Dingen beschäftigt ist, und für Dasda echt keine Zeit hat, wo kommen wir dahin? Dasda steht für den sperrigen Begriff Ordnungssinn. Der rangiert in seinem Vokabular gleichauf mit Begriffen wie Karfiolauflauf, Hautstraffungsöl oder Mantrasingen. Nur so: Der Hufnagl ist durchaus sinnlich, er hat Frohsinn, Feinsinn, Tiefsinn und Spürsinn und einen reichen Schatz an Blödsinnigkeiten. Ordnungssinn? Njet. Bedaure. Genetisch nicht angelegt.

Schlampigkeits-Schnittmenge

Und trotzdem ist das nicht tragisch. Insofern, als ich ebenso keine vom Typ Bücher-nach-Alphabet-und-Thema-Ordnerin oder Socken-nach-Form-Farbe-Gelegenheit-und-Material-Schlichterin bin und ihm nicht hinter jedem Schritt, den er mit vergatschten Stiefeln daheim tut (Hui, sorry, ich hab was vergessen!), nachwische. Mathematisch betrachtet gibt es bei uns also eine angenehme Schlampigkeits-Schnittmenge. Und dennoch sagt eine Stimme in mir, dass der Autoschlüssel am Klo nix zu suchen hat, genauso wenig wie die Unterhose auf der Computertastatur oder der Pulli auf dem Käsebrett. Also erlaube ich mir, feengleich, Struktur in sein Leben zu bringen – räume unaufgeregt auf, um und vor allem sein Zeugs weg. Das mag er nicht, er murrt. Irgendwie verständlich. Was soll man von einem Menschen schon erwarten, der erst zusammenräumt, wenn das WLan-Signal nicht mehr durchkommt.

E-Mail: gabriele.kuhn@kurier.at

Facebook GabrieleKuhn60

Er

Mein Lieblingssatz in der Kolumne von gnä Kuhn ist: Also räume ich unaufgeregt auf. Diese Selbstwahrnehmung nötigt mir beinahe Bewunderung ab. Denn meine Frau ist als Ordnungshüterin etwa so unaufgeregt wie ein Kind vor der Weihnachtsbescherung. Daher sagt sie mit bebendem Unterton, den ein sensibilisierter Ehemann niemals überhören kann: Falls du deine Lesebrille suchst, die hab’ ich, deine Zustimmung  voraussetzend, vom Handschuhkorb auf dein Nachtkasterl übersiedelt. Der einzig wahre Gedanke („Wie entrückt muss man sein, um seine Brille …“) steht dabei freilich als unsichtbarer Atompilz im Raum.


Ein Affront

Ja, ich kann einen gewissen Hang zu gelegentlicher Schlampigkeit nicht leugnen. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn die Liebste wiederum ist als Dings-Extremistin beseelt von einem Domizil, in dem alles seinen Platz hat (den Geschirrspüler als Symbol weiblicher Anarchie klarerweise ausgenommen). So sehr, dass sie eine Butterdose im falschen Kühlschrankfach bereits als Affront betrachtet. Daher merkt sie auch gar nicht, wenn ich gelegentlich durch die Wohnung streife, um mir zur eigenen Unterhaltung ein wenig Chaos zu gönnen. Weil: So ein kleiner Sololauf übers Pflanzparkett belebt die Sinne. Und so warte ich fröhlich, wie lange es dauert, ehe sie die Dinkelnudeln im Reisregal oder den Seifenspender neben der Computertastatur entdeckt (Spoiler: nicht sehr lange). Dann ruft sie: Also das darf jetzt echt nicht wahr sein. Und ich schenke ihr mein leidenschaftlichstes Erstaunen: „Oh!“ Ehe ich ihr eine gemeinsame Suche nach Geistern und Kobolden vorschlage. Dann spitzt sie die Lippen und sagt nur: Die wären vergleichsweise mit dir Dilettanten. Egal. Hauptsache, ich weiß, wie ich die eheliche Ordnung wiederherstelle – mit Blumen natürlich. Die ich in symmetrischer Hingabe exakt in der Tischmitte platziere. Verstecken kann ich sie morgen auch noch. Heute heißt’s nur: Alles Liebe zum Valentinstag!

ErMein Lieblingssatz in der Kolumne von gnä Kuhn ist: Also räume ich unaufgeregt auf. Diese Selbstwahrnehmung nötigt mir beinahe Bewunderung ab. Denn meine Frau ist als Ordnungshüterin etwa so unaufgeregt wie ein Kind vor der Weihnachtsbescherung. Daher sagt sie mit bebendem Unterton, den ein sensibilisierter Ehemann niemals überhören kann: Falls du deine Lesebrille suchst, die hab’ ich, deine Zustimmung  voraussetzend, vom Handschuhkorb auf dein Nachtkasterl übersiedelt. Der einzig wahre Gedanke („Wie entrückt muss man sein, um seine Brille …“) steht dabei freilich als unsichtbarer Atompilz im Raum.
Ein AffrontJa, ich kann einen gewissen Hang zu gelegentlicher Schlampigkeit nicht leugnen. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn die Liebste wiederum ist als Dings-Extremistin beseelt von einem Domizil, in dem alles seinen Platz hat (den Geschirrspüler als Symbol weiblicher Anarchie klarerweise ausgenommen). So sehr, dass sie eine Butterdose im falschen Kühlschrankfach bereits als Affront betrachtet. Daher merkt sie auch gar nicht, wenn ich gelegentlich durch die Wohnung streife, um mir zur eigenen Unterhaltung ein wenig Chaos zu gönnen. Weil: So ein kleiner Sololauf übers Pflanzparkett belebt die Sinne. Und so warte ich fröhlich, wie lange es dauert, ehe sie die Dinkelnudeln im Reisregal oder den Seifenspender neben der Computertastatur entdeckt (Spoiler: nicht sehr lange). Dann ruft sie: Also das darf jetzt echt nicht wahr sein. Und ich schenke ihr mein leidenschaftlichstes Erstaunen: „Oh!“ Ehe ich ihr eine gemeinsame Suche nach Geistern und Kobolden vorschlage. Dann spitzt sie die Lippen und sagt nur: Die wären vergleichsweise mit dir Dilettanten. Egal. Hauptsache, ich weiß, wie ich die eheliche Ordnung wiederherstelle – mit Blumen natürlich. Die ich in symmetrischer Hingabe exakt in der Tischmitte platziere. Verstecken kann ich sie morgen auch noch. Heute heißt’s nur: Alles Liebe zum Valentinstag!

ErMein Lieblingssatz in der Kolumne von gnä Kuhn ist: Also räume ich unaufgeregt auf. Diese Selbstwahrnehmung nötigt mir beinahe Bewunderung ab. Denn meine Frau ist als Ordnungshüterin etwa so unaufgeregt wie ein Kind vor der Weihnachtsbescherung. Daher sagt sie mit bebendem Unterton, den ein sensibilisierter Ehemann niemals überhören kann: Falls du deine Lesebrille suchst, die hab’ ich, deine Zustimmung  voraussetzend, vom Handschuhkorb auf dein Nachtkasterl übersiedelt. Der einzig wahre Gedanke („Wie entrückt muss man sein, um seine Brille …“) steht dabei freilich als unsichtbarer Atompilz im Raum.
Ein AffrontJa, ich kann einen gewissen Hang zu gelegentlicher Schlampigkeit nicht leugnen. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn die Liebste wiederum ist als Dings-Extremistin beseelt von einem Domizil, in dem alles seinen Platz hat (den Geschirrspüler als Symbol weiblicher Anarchie klarerweise ausgenommen). So sehr, dass sie eine Butterdose im falschen Kühlschrankfach bereits als Affront betrachtet. Daher merkt sie auch gar nicht, wenn ich gelegentlich durch die Wohnung streife, um mir zur eigenen Unterhaltung ein wenig Chaos zu gönnen. Weil: So ein kleiner Sololauf übers Pflanzparkett belebt die Sinne. Und so warte ich fröhlich, wie lange es dauert, ehe sie die Dinkelnudeln im Reisregal oder den Seifenspender neben der Computertastatur entdeckt (Spoiler: nicht sehr lange). Dann ruft sie: Also das darf jetzt echt nicht wahr sein. Und ich schenke ihr mein leidenschaftlichstes Erstaunen: „Oh!“ Ehe ich ihr eine gemeinsame Suche nach Geistern und Kobolden vorschlage. Dann spitzt sie die Lippen und sagt nur: Die wären vergleichsweise mit dir Dilettanten. Egal. Hauptsache, ich weiß, wie ich die eheliche Ordnung wiederherstelle – mit Blumen natürlich. Die ich in symmetrischer Hingabe exakt in der Tischmitte platziere. Verstecken kann ich sie morgen auch noch. Heute heißt’s nur: Alles Liebe zum Valentinstag!

 

E-Mail: michael.hufnagl@kurier.at

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