Ingeborg & Michèle
Ingeborg Bachmann, die am kommenden Donnerstag 100 Jahre alt geworden wäre, sagte: „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“ Anlässlich des runden Geburtstags der Dichterin kommt diese Woche ein dokumentarischer Film über sie ins Kino, in dem auch ein O-Ton des berüchtigten Kritikers Marcel Reich-Ranicki zu hören ist. Frauen seien für gewisse Berufe einfach wenig geeignet, poltert er, weshalb es kaum große Komponistinnen, Dirigentinnen oder Literatinnen gebe.
Was Reich-Ranicki über Michèle Mouton dachte, ist nicht bekannt. Die französische Rallye-Pilotin gewann 1981 als erste Frau einen WM-Lauf, im Jahr darauf war sie Zweite der Gesamtwertung. Ihr Vater hatte ihr Talent erkannt und der 22-jährigen Michèle das erste Rallyeauto finanziert. Wenn Mouton gefragt wurde, wie sie es geschafft hat, sich als Frau in der Männerwelt Motorsport durchzusetzen, sagte sie stets: Weil ich die Gelegenheit bekommen habe.
Die schnellste Frau der Welt wird heute 75. Ihretwegen weiß man: Die Geschwindigkeit ist dem Menschen zumutbar. Jedem Menschen.
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