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Nicht lesen!

Man will nicht klicken. Wirklich nicht. Und tut es dann doch. Über die tägliche Niederlage des freien Willens gegen Schlagzeilen, Promis, Trump – und Ranch-Dressing.
Michael Hufnagl
Bored distant couple ignoring each other lying in bed at night while using mobile phones. Smartphone addict. Obsessed and distracted man and woman texting. Addiction to social media.

Ein Blick. Ein Erfassen. Ein Abwägen. Tag für Tag das gleiche Dilemma. Die Standard-Schlagzeile lautet: „Warum Ranch-Dressing der unerwartete Star der Fußball-WM ist.“ Die Autosuggestion startet sofort: Ich werde das nicht lesen, nicht lesen, nicht lesen. Der Kurier titelt: „Trump wütet und warnt.“ Nein, nein, nein. Der ORF meldet: „Moorfrosch-Kaulquappen zurück in Kärnten.“ Nicht ansurfen, nicht klicken, einfach lassen. Die Presse fragt: „Taylor Swift trug auf ihrer Hochzeit Dior – aber was trug Adam Sandler?“ Was bitte, wie bitte, warum bitte, wer will das wissen? Nicht mit mir!

Die News-Musi spielt online, that’s Rock ’n’ Scroll. Dabei wird deutlich: Wir sind mit der Verführung unserer Wisch-und-Tipp-Finger nicht alleine. Es gibt keine Gesetzmäßigkeiten bei der Selektion, nur (niedere) Instinkte. Diesem Treiben kann man freilich – der Rat zum Wochenstart – bewusst entgegentreten. Fürs eigene Geisteswohl. Alles nur eine Frage des Willens. Ranch-Dressing ist übrigens ein cremiger Mix aus Buttermilch, Mayonnaise und Kräutern und sammelte als Video-Empfehlung 1,5 Millionen Likes.

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