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Höhere Gewalt

Das Schicksal hat man nicht in der Hand. Manchmal ist das ein Segen.
Wolfgang Kralicek

Es ist ein gutes Gefühl, etwas erledigt zu haben. Leider muss man dafür zuerst etwas erledigen. Manchmal aber will es das Schicksal, dass man das Erledigen überspringen kann.

Ein Beispiel: Man hat sich in der Früh dazu aufgerafft, ins Fitnessstudio zu gehen. Dort angekommen, steht man vor verschlossener Tür. Ein Mitarbeiter des Studios erklärt, das Schloss sei defekt, es werde noch eine gute Stunde dauern, bis der Schlüsseldienst da ist. Eine perfekte Situation: Der Ausfall des Trainings ist höhere Gewalt. Das stolze Gefühl aber, sich überwunden zu haben, kann man trotzdem genießen – und das, ohne dafür bezahlt zu haben.

Das Treffen mit dem reizenden, aber sterbenslangweiligen Patenonkel, der auf seiner jährlichen Stippvisite in der Stadt ist, muss nach einer Zugpanne kurzfristig abgesagt werden? Beim nächsten Mal aber dann! Die vierstündige Opernaufführung fällt wegen eines indisponierten Tenors aus? So schade, aber dann gehen wir halt gleich ins Gasthaus.

Gewalt ist keine Lösung. Höhere Gewalt aber kann etwas Herrliches sein.

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