Kolumnen
14.10.2018

Mathe oder "T steht für Tränen"

Die Schulpolitik doktert an der Hauptschule herum, aber ein Problem anzugehen, an dem Zigtausende verzweifeln – kein Ohrwaschl.

Weil es letztens um „kreative Texte“ ging, hier ein Schüler-Aufsatz, den mir ein Kollege hat zukommen lassen. Lesen Sie den (hier stark gekürzten) Hilfeschrei eines 13-jährigen Mädchens aus NÖ.

„H steht für Hass“

„Welches Wort war zuerst da? Mathematik oder Mathe? Viele meinen, natürlich Mathematik! Aber ich bin nach jahrelanger Forschung (im Klartext: ich bin zwei Stunden frustriert bei der Mathe-HÜ gesessen) zu dem Schluss gekommen, dass das Wort Mathe zuerst existierte. Mathe besteht eigentlich aus acht Wörtern. Das M steht für die M.I.E.S. (= Mathe Ist Ein ...). Dann das A. A für Aggression. Die Schüler werden aggressiv, wenn sie länger als eine Stunde vor den Mathe-HÜ sitzen, die Lehrer werden aggressiv, wenn sie diese korrigieren. Das T steht für Tränen. Tränen sind Flüssigkeiten, die aus den Augen kommen, aber nur bei bestimmten Situationen, zum Beispiel wenn einem das Eis runterfällt. So eine ähnliche Situation kommt auch, wenn man wegen Mathe das letzte Schuljahr wiederholen muss.

H steht für Hass. Wenn man jemanden nicht ausstehen kann, dann hasst man ihn. Sofern Mathe eine Person wäre, hätten viele Minderjährige diese Person schon längst auf den Friedhof geschickt. Last, but (not) least hätten wir noch den Buchstaben E. E steht für Explosion. Wirklich nicht die beste Art zu sterben. Jetzt bleibt eigentlich nur mehr eine Frage offen: Warum gibt es das Wort Mathe-Matik? Ganz einfach: Im Laufe der Jahre wurde Matik hinzugefügt, damit es nicht auffällt, dass Mathe für eine wirklich böse Sache steht.“

Seit Jahren glaubt die Schulpolitik, Schule zu verbessern, indem sie an der Hauptschule herumdoktert (aktuell, indem man die NMS zur Trenn-Schule macht, dies in schamloser Fehlinterpretation des Wortes Gesamtschule nennt, aber Mittelschule drauf schreibt, damit die AHS in ihrer Unterstufe wieder exklusiv den höheren Töchtern & Söhnen zur Verfügung stehen kann), aber ein Problem anzugehen, an dem Jahr für Jahr Zigtausende Kinder und ihre Eltern verzweifeln – kein Ohrwaschl. Jeder weiß es: Mathematik gehört inhaltlich entrümpelt, methodisch anders unterrichtet und in seiner Bedeutung zurechtgestutzt. Aber sag das einmal laut in schulpolitischen Backlash-Zeiten wie diesen.