© Birgit Braunrath

Beagle Daria
06/07/2020

Leerer Berg, voller Berg

Mit Hund trifft man oft viel mehr Menschen als man möchte.

von Birgit Braunrath

Unlängst weist mir Daria an einer Kreuzung wieder einmal den Weg. Aber ich bocke. Da beschließt sie, einfach umzukehren. In dem Moment kommt eine Frau mit Kinderwagen. Die amüsiert sich mit Blick auf meinen protestierenden Hund und sagt: „Haha, wie ein Kind!“ Darauf ich, knurrend: „Ja, aber beim Hund wächst sich das nicht aus. Es wird eher schlimmer im Alter.“

Da sagt die Frau grinsend: „Ich hab ja gelesen, dass man sich immer den Hund aussucht, dessen Charakter einem selbst am ähnlichsten ist.“ Kichert, duckt sich, geht rasch weiter. Ich rufe ihr nach: „Ja, da ist was dran. Mein Mann hat den Hund ausgesucht!“

„Das sagen sie alle!“, höhnt sie hinter der Wegbiegung. „Sie haben wohl einen Clown gefrühstückt!“, liegt mir auf der Zunge. Aber ich lasse es dort liegen. Ist doch schön, wenn mein Hund und ich schon am Vormittag für Heiterkeit sorgen.

Noch schöner ist es allerdings, wenn uns die Welt allein gehört, die Sonne, der Himmel ... oder wenigstens der Weg, den wir gehen. „Ich bin heute am falschen Berg“, denke ich.

„Ausnahmsweise mit Frauerl“

Da, wo wir wohnen, haben wir nämlich zwei Lieblingsberge (zum besseren Verständnis für unsere Tiroler Leser: zwei Unebenheiten in der Landschaft. Zum besseren Verständnis für unsere burgenländischen Leser: zwei Gebirgsmassive).

Ich gehe am liebsten auf den Berg, der mir das Gefühl gibt, allein auf der Welt zu sein. Der Mann hingegen (der, der den sturen Hund ausgesucht hat, und daher das genaue Charaktergegenteil von mir ist), geht am liebsten auf den Berg, der voll ist mit Spaziergängern, Joggern, Hunden und ... vorlauten Frauen mit Kinderwagen.

An diesem Tag hatten Daria und ich den vollen Berg gewählt. Auch deshalb, weil ich meist zweimal täglich mit Daria gehe und Abwechslung brauche.

Auf den vollen Berg gehen wir aber nicht mehr so bald: Kurz nach der Frau mit Kinderwagen treffen wir eine Frau mit Hund. Daria rennt auf sie zu, die beiden scheinen einander zu kennen. Die Frau sagt: „Hallo Daria, geht heut’ ausnahmsweise mal dein Frauerl mit dir?“ Daria sagt nichts. Ich sage – auch nichts. Nicht einmal: „Wie bitte?“ oder „Haben Sie einen Clown gefrühstückt?“ Aber ich grüble seither, was ich sagen hätte sollen.

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