Eine sportlich-rasante Fahrt bis zur Endstation Maulwurfshügel

Eine sportlich-rasante Fahrt bis zur Endstation Maulwurfshügel
Wie ein Maulwurfshügel dem Lieblingsmann zum Verhängnis wurde.
Birgit Braunrath

Birgit Braunrath

Was für ein Winter! Das Südburgenland war Anfang des Jahres unter einer dicken Schneehaube versteckt. So auch ein pickelhart gefrorener Maulwurfshügel auf unserer Wiese – genau genommen, nicht nur einer, sondern Unzählige. Aber dieser eine Maulwurfshügel wurde dem Lieblingsmann zum Verhängnis.

Und das kam so: Bei uns auf dem Land gilt Nachbarschaftshilfe als seelisches Grundnahrungsmittel. Sie ist selbstverständlich mehrwertsteuerfrei, wird zu jeder Tageszeit praktiziert und erstreckt sich auf alle Lebensbereiche.

Daher rief eine Nachbarin meinen Lieblingsmann an, um zu fragen, ob wir Spaß haben und ihren Bob ausborgen wollten, während sie und ihr Mann ein paar Tage verreisen und den Bob nicht nutzen würden. Er lehnte dankend ab, machte aber den Fehler, mir davon zu erzählen. Ich war sofort Feuer und Flamme für die Schneerutscherei.

„Natürlich wollen wir das!“, rief ich und holte Skihose, Anorak und Schneebrille aus dem Kasten. Also revidierte der Lieblingsmann sein Nein, und die gute Nachbarin brachte den blitzblauen Flitzerbob (für den sich ihre Enkelkinder schon zu alt fühlen, sie aber nicht) sofort vorbei. Los ging die wilde Fahrt.

Der Lieblingsmann machte mutig den Vorläufer und ließ sich die obere, steile Wiese hinab. Es war eine sportlich-rasante Fahrt, die leider im Auslauf an besagtem Maulwurfshügel endete.

Der Bob überschlug sich seitlich, der Mann landete kopfüber im Schnee, ich lachte. Aber nur so lang, bis eine Unterarmschiene sein gebrochenes rechtes Ringfingergelenk stabilisierte.

„Überlassen Sie das Bobfahren lieber den Kindern!“, rief uns die Ärztin noch hinterher. „Den Enkelkindern ...“, ergänzte ich und brachte den Bob in den Nachbarsgarten zurück.

Nachbarschaft in Höchstform

Ab diesem Zeitpunkt lief das Nachbarschaftshilfsnetzwerk zur Höchstform auf. Ich musste für zwei Tage nach Graz und hatte große Sorge, dass sich der Lieblingsmann einhändig nicht versorgen könne und seinen verletzten Finger nicht schonen würde.

Das sprach sich so rasch herum, dass noch vor meiner Abreise Essenseinladungen kamen, außerdem die Zusage, Verpflegung vorbeizubringen sowie das Versprechen, ihn über den Zaun zu beobachten, damit er sich nicht übernehme. Wahre Nachbarinnen und Nachbarn springen eben ungefragt ein, wenn man selbst einmal ausfällt. Auch das liebe ich am Landleben.

Freudestrahlend berichtete ich dem Lieblingsmann vom funktionierenden Netzwerk, sagte ihm, wann er wo zum Essen sei, wer ihm was vorbeibringen werde und welche Nachbarin auf ihrem Posten stehen würde, um zu verhindern, dass er gegen den ärztlichen Rat mit großem Gerät draußen arbeite.

Seltsamerweise reagierte der aber weit weniger begeistert als ich. „Es sind nur zwei Tage“, brummte er. „Ja, zwei ganze Tage“, bestätigte ich, „wie gut, dass du Versorgung hast!“ Da rollte er die Augen und sagte: „Das macht mir deutlich mehr Angst, als zwei Tage auf mich allein gestellt zu sein.“

Birgit Braunrath betreibt mit ihrem Mann einen Biohof im Südburgenland. www.wunderbarestreuobstwiese.at

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