Rasenmäherroboter mit Diebstahlkamera: Klaus Eckel findet das übertrieben
Ein Bekannter zeigte mir, wie er bei seinem Handy-Display auf die Panzerglasfolie eine weitere Panzerglasfolie klebte. „Ist das nicht übertrieben?“, fragte ich nach.
„Ganz im Gegenteil“, erwiderte er, „darunter kleben noch zwei Panzerglasfolien.“ Ich betrachtete das Gerät, das mittlerweile so dick war, dass es eine eigene Postleitzahl gebraucht hätte. „Verstehe“, antwortete ich, „du telefonierst also mit einem kugelsicheren Glasblock, auf dem irgendwo hinten ein Handy pickt.“ Er nickte zufrieden. „Mittlerweile könnte über mein Handy eine Pistenraupe fahren, da wäre nachher die Pistenraupe kaputt.“
Am selben Tag entdeckte ich im Baumarkt einen Rasenmäherroboter mit drei Diebstahlkameras, GPS-Überwachung und Igel-Gesichtserkennung. Nähert sich diesem fahrenden Grashalm-Henker ein fremder Schuh, schickt er vermutlich sofort Satellitenbilder an die Cobra. Der Nachbarsjunge, der nur seinen über den Zaun geschossenen Fußball holen wollte, wird dann von vermummten Polizisten auf die Wiese gedrückt.
Selbst der Sommerurlaub hat vor allem ein Ziel: Risiken minimieren. Da werden wochenlang Wetter-Apps verglichen, der Weg zwischen Hotelzimmer und Buffet wird auf Google Street View abgewandert und schließlich werden die Stornobedingungen des Strandhandtuchs überprüft. Eine Sonnenliege wird erst dann gebucht, wenn sie mindestens 4,9 Sterne hat und in den Rezensionen kein einziges Mal das Wort „knarzt“ vorkommt.
Seit diesem Jahr gibt es sogar eine Reiserücktrittsrücktrittsversicherung. Es kann ja sein, dass man bucht, dann storniert, plötzlich fahren will, aber am Ende doch zu Hause bleibt. Der moderne Mensch gilt als ein wilder Abenteurer, wenn er ein Sudoku statt mit einem Bleistift mit einem Kugelschreiber ausfüllt. Um zumindest irgendwann noch Nervenkitzel zu spüren, habe ich jetzt in mein Testament Folgendes schreiben lassen: Bitte keine Urne mit Panzerglasfolie.
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