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Nachwuchsfußball: Klaus Eckel über Hooligans im Nebenerwerb

Erkundigt man sich bei Jugendfußballtrainern, was derzeit die größte Herausforderung sei, hat die Antwort meistens sechs Buchstaben: Eltern.
Klaus Eckel
Young boy child in uniform watching organized youth soccer or football game from sidelines

Von Neulengbach bis Gmünd. Ich kenne bald mehr österreichische Sportplatz-Kantinen als die Landeshauptfrau. Aber nicht aufgrund meiner Kabarett-Tournee, sondern in der Rolle des Vaters eines fußballbegeisterten Sohnes. Da friert oder schwitzt man auf Tribünen, die wahrscheinlich noch aus einer Zeit stammen, in der Laternenanzünder ein Berufswunsch war, trinkt Kaffee aus undichten Plastikbechern und fragt sich: Warum habe ich dem Buben damals einen Fußball geschenkt? Warum nicht ein Fagott? Fagott spielt man drinnen.

Erkundigt man sich bei Jugendfußballtrainern, was derzeit die größte Herausforderung im Nachwuchsfußball sei, hat die Antwort meistens sechs Buchstaben: Eltern. Da verwandelt sich der sonst so friedfertige Steuerberater plötzlich in einen brüllenden Feldherrn. „Geh drauf!“, „Reiß ihn nieder!“ und „Pack erm!“ sind noch die feineren Anweisungen. Pfeift der Schiedsrichter dann aufgrund dieses Sohn-Coachings ein Foul, wird dem Spielleiter sofort mitgeteilt, dass man über den Standort seines Autos Bescheid wisse. Den meisten Freizeit-Schiedsrichtern ist das egal, da sie aufgrund der geringen Bezahlung mit ihrem alten Fahrrad da sind.

Gefühlt jeder zweite Vater am Spielfeldrand ist der felsenfesten Überzeugung, sein Spross sei der reinkarnierte Diego Maradona, und das, obwohl der supertalentierte Sohn beim Einwurf regelmäßig den Ball vergisst. Verliert einmal die eigene Mannschaft, ist der Platz schuld, der Wind oder die Erdrotation hat beim Torschuss die Richtung gewechselt. Jedes Match wird derart analysiert, als hätte Österreich soeben das WM-Finale verloren, dabei ging es um Platz sieben beim Raiffeisen-Marienkäfer-Cup. Mittlerweile kann man einen erzieherischen Rollentausch bemerken. Immer häufiger drohen Kinder ihren auf der Tribüne stehenden Eltern, sich endlich zu benehmen, weil es sonst zwei Wochen lang kein Netflix gibt. Derzeit habe ich am Abend viel Zeit zu lesen. Meine Strafe dauert noch vier Tage.

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