Warum das alles? Klaus Eckel über Flugzeugklos und den Sinn des Lebens
Es gibt eigentlich nur zwei Fragen, die mich wirklich beschäftigen:
- Warum gibt es auf Flugzeugtoiletten kein Fenster – wer soll da bitte reinschauen?
- Was ist der Sinn des Lebens?
Da an der ersten Frage bereits große Denker gescheitert sind, beschäftige ich mich lieber mit der banalen zweiten.
Die Grundproblematik: die Geworfenheit des Menschen. Jeden von uns spült es irgendwann auf die Erde. Dann ist man mal beschäftigt mit Dingen wie Algebra, Liebeskummer, Mülltrennung, Reiserücktrittsversicherung, Faszienrolle. Irgendwann wird man aus dem Spiel genommen. Man weiß nicht, wann, man weiß nicht, wie, man weiß nur, der Tod lässt (manchmal) bei guter Lebensführung Verhandlungen über den Zeitpunkt mit sich zu. Dass er einen niemals belästigt, gilt als ausgeschlossen. Im Vergleich zur Cocktailtomate ist uns permanent bewusst, dass das alles ein Ende hat.
Paradiesischer Kiesstrand
Egal, wie sehr ich geschuftet habe, nichts davon kann ich in den Sarg mitnehmen. Außer vielleicht Zahnprothese und künstliche Hüfte. Trost finden manche von uns in einem religiösen Back-up-Programm. Sprich: in einer weiteren himmlischen Existenz. Dort liegt man dann am paradiesischen Kiesstrand vor einem Fluss, in dem Milch und Honig fließen. Einige versprechen dazu noch ein Picknick mit 72 Jungfrauen (ob ich mir da alle Namen merke?). Andere Religionsanbieter versprechen zumindest eine Reinkarnation als Vergiss-mein-nicht.
Da diese Verheißungen jedoch niemand zu 100 Prozent garantieren will, suche ich lieber nach einer irdischen Antwort. Mein weltlicher Guru Viktor Frankl meinte, wer ein „Warum“ zu leben hat, erträgt auch jedes „Wie“. Dieser Satz hilft mir sogar, wenn ich am Abend noch 121 neue Nachrichten in der Eltern-Whatsapp-Gruppe liken muss.
Doch meine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens fand ich dann tatsächlich auf einer Flugzeugtoilette. Dort stand auf einem Schild: „Verlassen Sie jeden Ort zumindest so, wie Sie ihn vorgefunden haben. Aber gerne auch schöner.“
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