Sportlich: Warum Klaus Eckel die Laster lobt
Ich erinnere mich an einen Linzer Bundesliga-Tormann, der neben seinem Tor immer ein Dosenbierlager aufbaute. Nach jeder erfolgreichen Parade gönnte er sich einen Belohnungsschluck.
Nach jeder Parade, die danebenging, einen Trostschluck. Sie können sich vorstellen: Zwischen der 70. und 80. Minute lehnte der Mann nicht mehr am Tor, er war das Tor. Er war mehr oder minder mit dem Pfosten verschmolzen.
In den 90er-Jahren gab es überhaupt keinen einzigen finnischen Skispringer, der nüchtern vom Schanzentisch abhob. Zum Glück musste keiner der nordischen Wodka-Segler befürchten, dass er nach einer Telemark-Landung direkt in einem Planquadrat zum Stehen käme.
Selbst mein Kindheitsidol Herbert Prohaska gönnte sich angeblich vor so manchem Elfmeter ein paar Züge beruhigendes Nikotin. Schließlich spielte er in einem Verein, der damals mit der Zigarettenmarke „Memphis“ als Hauptsponsor auf der Brust auflief.
Real Nutella Madrid
Es ist eher unwahrscheinlich, dass sich heutzutage Vereine ähnlich gesundheitsbedenklich umbenennen – also in Real Nutella Madrid oder Juventus Jägermeister Turin.
Doch gegenwärtige Sportler sind aus einem anderen Holz geschnitzt. Heutzutage werden literweise Green Smoothies getrunken, in denen mehr Superfoods treiben als Gelsen im August über dem Neusiedler See. Einige Profisportler lassen im Schlaflabor sogar ihre Träume auswerten.
Vermutlich analysieren sie dann die durchschnittliche Schrittfrequenz beim Davonlaufen vor einem Monster.
Dank unzähliger Gadgets steht der Körper heute unter lückenloser Dauerbeobachtung. Als wäre man sein eigener kleiner Überwachungsstaat. Doch ein Leben, basierend auf der reinen Vernunft, könnte Spuren von Langeweile enthalten.
Wenn Ihnen also Ihre Smartwatch nach dem Minigolf mitteilt, dass Sie zu wenig Kardiobelastung hatten, dann ertränken Sie die Uhr in einem Weizenbier.
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