Schnuller für Erwachsene? Klaus Eckel findet das genial
Jetzt gibt es auch das noch: Schnuller für Erwachsene. Sofort kam mir der Gedanke: Genial! Nach Quanten-Yoga, Dankbarkeits-Eisbaden und Inneres-Kind-Pilates ist der Beruhigungsschnuller die richtige Antwort auf die Gegenwart. Endlich passieren mir um 2 Uhr früh keine unüberlegten WhatsApp-Sprachnachrichten mehr, sondern ich habe einen Gegenstand, der den Wutschwall aus meinem Mund einfach blockiert. Stellen Sie sich auch beruflich diesen Nutzen vor: Der Chef brüllt Sie wieder einmal grundlos an, doch Sie ziehen als Antwort nur wortlos einen Monster-Schnuller aus der Hosentasche und fangen genüsslich an zu nuckeln.
Das ist keine Kapitulation, sondern die reife Form von gewaltfreier Kommunikation. Oder denken Sie an Familienfeiern, bei denen Ihnen Onkel Ferdinand wieder einmal erklärt: „Tauben sind gefiederte Drohnen“, „Tofu macht impotent“ und „Handstaubsauger speichern Gespräche“. Anstatt mühsam mit ihm zu diskutieren, sitzen Sie einfach da und saugen stumm an Ihrem Silikonzapfen.
Ich bin für solche Methoden schnell zu begeistern, da ich seit Jahren ein überzeugtes Mitglied im „Verein der paradoxen Intervention“ bin. Das sind die Menschen, bei denen sich das Kind an der Billa-Kassa auf den Boden schmeißt und schreit: „Ich will ein Milky Way!“ Der geschulte Vater wirft sich dann neben den Nachwuchs und plärrt in doppelter Lautstärke: „Und ich will ein Segelboot!“ Beide Beteiligten lernen dann zwei Dinge: Erstens, man kriegt nie alles, was man will, und zweitens, wie man zu Fuß zum Spar kommt, weil für den Billa dann Hausverbot gilt. Genauso hilft es, wenn man sich täglich mit sauteuren Laufschuhen ins Bett legt. Da fängt man angeblich irgendwann mit dem Joggen an. Doch vielleicht ist der Erwachsenen-Schnuller die Rettung für unsere überhitzte Gesellschaft. Wer nuckelt, kann weder beißen noch blöd reden. Wenn das weltweit zum Erfolg wird, bekommt vielleicht schon in wenigen Jahren ein Schnuller den Friedensnobelpreis.
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