Kolumnen
01/05/2021

Keine Geburt ohne Auge des Gesetzes

Die besondere Assistenz des Innenministers bei Ankunft royaler britischer Sprösslinge.

von Lisbeth Bischoff

2020 war ein besonderes Jahr. Seit 2012 wurde weder bei den britischen noch bei den schwedischen Royals ein Baby geboren. Doch 2021 gibt es sowohl bei den Enkelinnen der Queen, Zara Tindall (39) und Prinzessin Eugenie (30), als auch bei Prinzessin Sofia von Schweden (36) wieder Nachwuchs.

Früher war es vorrangiges Ziel aller Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser, mit reichem Kindersegen die Erbfolge zu sichern. Das kennen wir bereits von "unserer“ seligen Maria Theresia (1717–1780). 16 Nachkommen, die sie mit einem selbst ausgearbeiteten Schulungsprogramm sehr umsorgt hat: Geschichte, Staatskunde, Rechtschreibung, das Erlernen von Fremdsprachen – die Mädchen wurden darüber hinaus in Handarbeiten und in der Konversation unterrichtet.

Den Spitznamen "Großmutter Europas“ erhielt die britische Monarchin Queen Victoria (1819–1901). Sie schenkte neun Kindern das Leben, die alle in wichtige Königshäuser einheirateten. Sie war es auch, die mit einer alten Tradition brach. Es war üblich, dass nicht der Vater zur Geburt eines britischen Thronfolgers kam, sondern der Innenminister. Er hatte die Aufgabe, sicherzustellen, dass es sich bei dem Neugeborenen auch tatsächlich um das Kind des Königs handelt – und nicht ein fremdes Kind in den Palast geschmuggelt wurde.

Die Angst vor einem Betrug erreichte 1688 bei der Geburt von James Francis Edward, dem Sohn von James II., ihren Höhepunkt: Man zweifelte, dass die Frau des Königs wirklich schwanger sei. 42 Zeugen waren anwesend, doch die Skepsis blieb. Die Neutralität der Zeugen fehlte. Mit der Geburt ihres ersten Sohnes Albert (1894) setzte Victoria diesem Spektakel ein Ende – es war nur noch der Innenminister zugegen.

Welch Erleichterung – ohne das wachsame Auge eines Politikers erblickte Thronfolger Charles am 14. November 1948 das Licht der Welt. Während seiner Geburt spielte Papa Prinz Philip (heuer 100!) im Buckingham Palast Squash. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern getrieben von innerer Unruhe, wie Jonathan Dimbleby in "The Prince of Wales: A Biography“ (1994) herausfand.

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