Johanna Sebauer

Johanna Sebauer: Am Feld

Hier schreiben abwechselnd Franzobel und Johanna Sebauer – er über das Leben am Sportplatz, sie über jenes am Land.

Von Johanna Sebauer

Der Sommerurlaub ist ja nicht nur dazu da, sich eine stattliche Bräune heranzuzüchten und einfach mal nichts zu tun, sondern immer auch eine Einladung, das eigene kleine Leben auf fundamentale Weise neu zu denken.

Was, denke ich dann zum Beispiel, während ich durch die Gassen einer fremden Stadt schlendere, was, wenn ich gar nicht in meinem kleinen Dorf im beschaulichen Österreich lebte, wo der Traktor über die Feldwege donnert und man den immergleichen Gesichtern begegnet, sondern hier? Hier, in einer südlichen Metropole, wo abends gut gelaunte Menschen die Terrassen der Bars bevölkern, einander mit kalten Getränken zuprosten und sich der Leichtigkeit des Daseins erfreuen. Und ich mittendrin! 

Eine andere wäre ich dann. Kommunikativ, geistreich und tiefenentspannt. Ein Urlauber, der seinen Alltag für gewöhnlich in der Großstadthektik verbringt, hat möglicherweise Träumereien in die entgegengesetzte Richtung. Was, wenn ich auf einer Berghütte wohnte, fragt er sich. In tiefer Ruhe, ohne Gehupe, ohne ständiges Ausweichen-Müssen auf überfüllten Gehsteigen. Was, wenn ich eigene Kühe im Stall hätte und ihnen das duftende Heu eigenhändig von der Almwiese senste? 

Selbstversorger im Einklang mit der Natur. Oder, wenn ich gar auf einer winzigen Insel lebte, wenn ich hinausführe mit dem Fischerboot und jeden Morgen den Sonnenaufgang auf dem Meer erlebte? Ein anderer wäre ich dann! Ein zufriedener, gelassener Mensch.

Gemein ist diesen Träumereien, dass sie sich freilich niemals verwirklichen dürfen. Sonst müsste man eingestehen, dass man am Ende doch derselbe Narr bliebe, ganz egal, ob im Gewusel der mediterranen Piazza, der einsamen Berghütte oder im eigenen verschlafenen Dorf. 

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