Johanna Sebauer

Johanna Sebauer: Am Feld

Hier schreiben abwechselnd Franzobel und Johanna Sebauer – er über das Leben am Sportplatz, sie über jenes am Land.

Von Johanna Sebauer

Stolz bin ich nicht drauf, aber ich möchte ehrlich mit Ihnen sein. Solange ich in der Stadt gelebt habe, war Regen, oder generell jegliches Wetter abseits der sonnigen fünfundzwanzig Grad mit leichter Brise, kein nüchtern hinzunehmender Umstand, sondern ein Ungemach. Ich wollte doch so gern im Park mit Freunden Picknicken, auf der Caféterrasse sitzen, aufs Open-Air-Konzert gehen oder sonst was, da soll es bitte schön nicht regnen und stürmen. 

Aber jetzt, auf dem Land, wo vor meinen Augen vor lauter Trockenheit sämtliche Natur zerbröselt? Andere Geschichte. Die Rosen, die Obstbäume, der Flieder, sie schreien schon, so durstig sind sie. Die Wiesen ringsum haben schon im Juni so geknistert, wie sonst nur im späten August, wenn der gesamte Sommer hinter uns liegt und die Landschaft über Wochen langsam gelb gebacken hat.

Heute als Landmensch sehne ich den Regen herbei. Jeden Tag schau ich sehnsüchtig in den Himmel, an dem schon wieder keine Wolke hängt. Wie gut versteht man plötzlich jene Völker rund um den Erdball – von den alten Ägyptern bis zu den indigenen Amerikanern –, die einst Tänze aufgeführt haben, auf dass der Himmel endlich weinen möge. Weil, wer wusste schon, ob’s nicht vielleicht was bringt? Wie klein fühlt man sich plötzlich als Mensch, den Launen des extremen Wetters ausgeliefert, und wie dumm, weil man weiß, dass man mitunter selbst dafür verantwortlich ist. Jede dagegen ergriffene Maßnahme ein viel zu später, viel zu kleiner Tropfen auf den heißen Stein, den sogenannten. 

Sollten Sie mich in diesen Tagen wie besessen mit abenteuerlichen Verrenkungen durch den Garten tanzen sehen, bitte nicht wundern. Weil, wer weiß schon, ob’s nicht vielleicht was bringt.

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