Kolumnen
05.10.2018

Ich will 29 Bücher kaufen. Ein eReader kommt nicht in Frage

An meinem Bücherregal hängt ein Schild. Darauf steht: „Du darfst den Staub berühren, aber bitte schreib’ nicht darin.“

In meinem Wohnzimmer steht ein Bücherregal. Auf diesem hängt ein Schild, das zwischen den Buchrücken untergeht. Darauf steht: „Du darfst den Staub berühren, aber bitte schreib’ nicht darin.“

Ein nett gemeinter, aber völlig sinnbefreiter Hinweis. Weil im Regal kein Staub liegt. Schlicht, weil dort kein Staubkorn Platz hat. Alles besetzt, mit Trash-Literatur (in den hinteren Reihen) und davor gestapelten Lieblingsbüchern, Bestsellern, Empfehlungen. Arthur Schopenhauer hatte recht: „Es wäre gut, Bücher zu kaufen, wenn man die Zeit, sie zu lesen, mitkaufen könnte.“

Wie auch immer. Ich brauch ein neues Bücherregal, bevor das alte zusammenbricht, erkläre ich theatralisch. Die Nichte schaut mich besorgt an. Erklärt, dass man heutzutage keine Bücher mehr kauft. Und wenn doch, dann eBooks. Willkommen im 21. Jahrhundert!

Mit einem eBook könnte ich zudem zwei Probleme mit einem Schlag lösen, flötet sie. Ich brauche keine neuen „Schinken“ nach Hause schleppen und damit auch kein neues Regal. Die Wohnung wird nicht verstellt, wirkt größer. Sie läuft zur Höchstform auf. Appelliert an mein Gewissen. Würde ich am eReader lesen, würde ich einen Beitrag gegen das Waldsterben leisten. Dann müssen keine Bäume mehr sterben, nur weil ich mir einbilde, dass ich ein gedrucktes Buch in ein Holzregal stellen muss.

Ich finde, das ist eine Frechheit. Atme fünf Sekunden tief ein und sieben Sekunden lang aus. Mehrmals hintereinander. Mein Yoga-Lehrer sagt, das beruhigt.

Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, google ich nach Argumenten. Die Produktion eines Buches verursacht drei Kilo , rechnet ein Wissenschaftler vor. Keine Ahnung, ob das viel ist, aber er hat die Langfassung seiner Erkenntnisse just zwischen zwei Buchdeckel gepresst. Kann so schlimm nicht sein.

Außerdem soll sich der Kauf eines eReaders aus Öko-Sicht frühestens ab dem 30. Buch lohnen. So ein Lesegerät fällt ja nicht vom Himmel, sondern wird aus Metallen und Plastik produziert.

Ich hab nur 29 Bücher auf meiner „Will-haben“-Liste. Für mich zahlt sich das nicht aus.