Kolumnen
05.04.2018

Ich warte auf den richtigen Mond

Nach meiner letzten Entrümpelungsaktion hatte ich leere Kästen, vor denen sich diverse Kisten stapelten.

Beim Zappen bleib ich oft bei Sendungen wie Liebesg’schichten und Heiratssachen hängen. Starr vor Schreck. Unfähig, umzuschalten.

Jetzt nicht wegen den tadellos gekampelten und g’schneizten Kandidaten. Der Kameramann ist schuld. Dieser Ungustl hält die Kamera gnadenlos auf rosarote Porzellanschweinchen, die auf vergilbten Häkeldeckchen stehen. Auf Schundromane. Auf gestickte Wandbilder mit sinnbefreiten Motiven.

In diesen Momenten weiß ich: Ich muss die Wohnung entrümpeln. Dringend! Als Erstes fliegt Manneken Pis raus. Dieser Abklatsch der Brunnenfigur aus Brüssel steht völlig deplatziert bei mir im Wohnzimmer. In Bronze gegossen, vom Regal pinkelnd. Im Gegensatz zum Original, das mehrmals gestohlen wurde, nimmt ihn keiner mit. Nicht mal bis zur Mülltonne. Genauso wenig wie die handbemalten Schüsseln in der Glasvitrine oder die gesammelten National Geographic Ausgaben.

Binnen Sekunden habe ich eine imaginäre Liste von 20 Dingen, die weg müssen. Es hapert an der Umsetzung. Erstens bin ich noch immer starr vor Schreck. Zudem ist es draußen dunkel – und aufräumen sollte man bei Tageslicht. Außerdem muss ich auf abnehmenden Mond warten, da trennt man sich leichter vom Glumpert. Nach meiner letzten Entrümpelungsaktion hatte ich leere Kästen, vor denen sich dann diverse Kisten stapelten: Für die Eltern (eigentlich für ihren Dachboden), für Patrick (er geht im Gegensatz zu mir echt zum Flohmarkt), für die Kleidersammlung und „für später zum Aussortieren“. Ein Desaster. Vielleicht war der zunehmende Mond schuld. Jeder Feng-Shui-Meister weiß, dass man den Frühjahrsputz planen muss. Kastl für Kastl, mit Zeitplan.

Ostern hat mir eine Freundin ein Philosophie-Buch geschenkt. Perfekt zum Putzen, sagt sie. Nach jedem Kapitel muss man nachdenken, was der Autor sagen will. Dabei kann man wunderbar ausmisten. Dann hat sie mir einen Sack Bücher in die Hand gedrückt. Und Plunder, den sie loswerden will. Nun steht der Krempel bei mir. Outgesourct quasi. Jetzt muss ich entrümpeln. simone.hoepke