Die Strategie geht auf

Ein Eingriff, viele Fragen: Was bedeutet die Herzchirurgie für das Burgenland?
Michael Pekovics
Mehrstöckiges modernes Gebäude mit mehreren Flaggen davor, Zebrastreifen und vorbeifahrendem silbernen Auto.

Mit der ersten Herzoperation in der Klinik Oberwart wurde etwas Realität, das lange umstritten war. Auf den ersten Blick klingen die Argumente dafür schlüssig: wohnortnahe Versorgung, kürzere Wege, schnellere Hilfe bei akuten Fällen. Gerade bei Herzerkrankungen, bei denen Zeit ein entscheidender Faktor ist, ist das überzeugend. Bisher mussten Patienten nach Wien, Graz oder St. Pölten ausweichen.

Genau hier beginnt die Debatte. Braucht ein Bundesland mit rund 300.000 Einwohnern tatsächlich eine eigene Herzchirurgie? Oder wird damit eine Struktur geschaffen, die langfristig mehr Probleme bringt?

Die Kritik aus Fachkreisen ist deutlich. Zusätzliche Standorte könnten bestehende Strukturen schwächen, Fallzahlen reduzieren und damit auch die Qualität beeinflussen. Herzchirurgie lebt von Routine, von Erfahrung, von großen Fallzahlen. Das ist kein politisches, sondern ein medizinisches Argument.

Politik trifft Realität

Dem gegenüber steht die Realität im Burgenland: steigender Bedarf, alternde Bevölkerung, lange Wartezeiten. Wenn Eingriffe Monate dauern können, wird aus einer Strukturdebatte schnell eine Frage der Versorgungssicherheit. Jetzt sind es aber gerade die Themen Gesundheit und Pflege, die die burgenländische SPÖ und Hans Peter Doskozil ganz oben auf der Agenda eingereiht haben. Im Bundesland mit der ältesten Bevölkerung Österreichs lassen sich damit viele Pluspunkte bei den Wählern sammeln.

Das bestätigt auch das Ergebnis einer von der SPÖ beauftragten Umfrage unter 800 Burgenländern: In der „Sonntagsfrage“ würden etwa 46 Prozent wieder für die SPÖ stimmen (FPÖ 24, ÖVP 20, Grüne 6, Neos 3), Hans Peter Doskozil käme bei einer Direktwahl des Landeshauptmanns auf 63 Prozent der Stimmen. Außerdem wird die Arbeit der Landesregierung von 57 Prozent mit „sehr gut“ oder „eher gut“ bewertet. An eine Kursänderung wird da bei der SPÖ niemand denken.

Kommentare