„Die Hitze macht mir Angst“: Aida Loos bringt Abkühlung
„Die Hitze macht mir Angst“
Wie exotisch! Alle anderen raunzen nur. Sie hingegen haben Angst, und Angst, Teuerste, ist Raunzen mit Rückgrat. Setzen Sie sich und schließen Sie die Türe, ich heize hier nicht für den Gang. Verraten Sie mir zu allererst: Wie schlafen Sie derzeit? Gut? Wunderbar. Wegen des Ventilators im Schlafzimmer? Sie lassen sich also auch noch von Ihrem Problem anwehen? Der Ventilator rührt ja nur die Hitze um, damit sie nicht anbrennt.
Ja, die Affenhitze
Ich frage Sie: Warum der Affe? Immer ein Tier, nie ein Täter. Das wurmt mich. „Hundstage“, „Sauwetter“, „Affenhitze“. Nie sagt wer „Menschenhitze“. Das wär der einzig richtige Name. Es ist die Rekordhitze? Stimmt. Wir haben dem Wetter einen Wettkampf angedichtet und feiern jetzt jeden neuen Höchstwert, als stünde das Thermometer auf einem Treppchen, während es uns die Goldmedaille ins Gehirn brennt.
Haben Sie denn Möglichkeiten, der Hitze zu entkommen? Der Schatten ist ja inzwischen eine geschlossene Gesellschaft. Sie fliegen bald nach Dubai? Das ist klug. Dort lässt sich hervorragend über die Dürre weinen. In Einkaufszentren, die so tief heruntergekühlt sind, dass die Tränen als Hagel fallen. Immerhin bringen Sie eine Sonnencreme mit, Lichtschutzfaktor Weltuntergang.
Doch doch, mein glühendes Herz, ich nehme Sie sogar sehr ernst. Es ist nur so, dass Sie die Hitze bestellt haben. Jedes Gelände, das Sie zwischen BILLA und Apotheke mit Ihrem SUV bezwingen, das von Wildnis träumt und die Kurzparkzone kriegt, jede Mandelmilch, die für Sie um die halbe Welt gereist ist, um bei Ihnen vor lauter Heimweh sauer zu werden – alles kleine Liebesbriefe an die Sonne, mit der Bitte, noch nachzulegen. Und jetzt, wo sie endlich antwortet, sind Sie beleidigt? Typisch. Man will die Leidenschaft, ohne dafür schwitzen zu müssen.
Man kann eh nix machen?
Natürlich nicht. Verantwortung, durch neun Millionen geteilt, fühlt sich an wie ein Freispruch, nicht wahr? „Man“ ist das beliebteste Versteck der deutschen Sprache. Geräumig, kostenlos und angenehm kühl, weil sich darin niemand die Finger verbrennt. Sprechen Sie den Satz probehalber in der ersten Person: „Ich kann eh nichts machen.“ Merken Sie, wie er kratzt?
Aber Sie trennen eh den Müll?
Das ist rührend. Sie baden Ihr Marmeladenglas wie Ihren Erstgeborenen und waschen dabei bloß Ihre Hände in Unschuld. Sehen Sie: Getrennt wird nur, was nicht wehtut. Der Joghurtbecher vom Deckel, das Plastik vom Altpapier. Vom Steak, vom Wagen, vom Flug trennt sich niemand.
Meine Diagnose? Sie haben eine Glutunverträglichkeit. Nicht Gluten, Glut. Die Symptome sind dieselben: Sie blähen sich auf und suchen einen Schuldigen im Zutatenverzeichnis. Der Unterschied ist nur, dass es keinen glutfreien Sommer in den Regalen gibt.
Was ich Ihnen daher rate? Gehen Sie in die Kirche. Nicht aus Glauben. Aus Grad Celsius. Die Katholiken haben die beste Klimaanlage der Menschheit gebaut, komplett ohne Strom, und sind zu bescheiden, damit zu werben. Die reden von Nächstenliebe und Erlösung, dabei müssten sie jetzt einfach plakatieren: „Drinnen 18 Grad“, und die Kirche wär voller als zu Weihnachten. Nur eines: Zünden Sie keine Kerze an. Es reicht. Und das Weihwasser lassen Sie bitte auch in Ruhe. Tupfen, nicht tauchen.
So, die Stunde ist verdunstet. Das macht dann 280 Euro. Bar bitte. Ich weiß, ist ein Schweinegeld. Und jetzt hinaus mit Ihnen, mein liebes Angsthäschen! Ich muss packen, mein Flug geht in drei Stunden.
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