Kolumnen
16.09.2018

Fabelhafte Welt: Wenn wir nochmals heiraten müssten, ...

Als die Braut in den Pool sprang: essen, tanzen und feiern in Süditalien.

Wenn wir nochmals heiraten müssten, würden wir wieder in Süditalien heiraten. Was wir allerdings anders machen würden, wäre, die nicht-italienischen Hochzeitsgäste deutlicher vorzuwarnen, worum es bei einem Bello Matrimonio geht, nämlich: das Brautpaar zu feiern, indem man ihm andauernd applaudiert und absurd viel isst. Unsere deutschen Gäste taten mir Leid, denn die dachten, das aus fünfzig Gerichten bestehende Antipasti-Buffett sei das gesamte Essen des Abends, und dementsprechend konsterniert waren einige Gesichter, als danach Pasta, Risotto, Fisch mit Garnelen, Fruchtsalat und Sorbet serviert wurden, ehe man hinaus zum Buffet aus dreißig Nachspeisen schritt, und unter großem Feuerwerk noch eine siebenstöckige Torte serviert wurde. Die Italiener bewältigen diese Massen, indem sie während des Essens tanzen, und ich versuchte ja, unseren mitteleuropäischen Gästen zu signalisieren, es den achtzigjährigen Zias und Zios nachzutun, aber die hoben sich ihre Tanzlaune für nach der Torte auf, doch dann war die Hochzeit vorbei, und die Italiener zogen sich artig zurück, damit die Frisch-Vermählten die erste Nacht miteinander verbringen können. Der eine Teil der nicht-italienischen Gäste tat es ihnen gleich, um dem Magen eine Pause zu geben, der jedoch nun keineswegs müde, großteils österreichische Rest kaperte die letzten Prosecco-Flaschen und in Ermangelung des auf hiesigen Hochzeiten oft üblichen Party-Besäufnisses sprangen alle in Anzügen und Abendkleidern in den Pool. Ich sprang natürlich auch, hatte allerdings unterschätzt, wie schwer ein nasses Brautkleid wird und hätte beinah dafür gesorgt, dass es garantiert unsere einzige Hochzeit bleiben würde. Aber alles ging gut, ich tauchte als Braut unter und als atemlose Ehefrau wieder auf. Kein schlechter Anfang für die Ehe.

vea.kaiser@kurier.at