Kolumnen
25.11.2018

Fabelhafte Welt: Vorweihnachtliche Höchststimmung

Warum ich die Zeit vor Weihnachten so liebe? Weil ich Wunder mag. Was das mit Ikea zu tun hat, erzähle ich Ihnen gerne.

Vea Kaiser übers Weihnachtsshoppen

Letztes Jahr verbrachten wir den Dezember in der Karibik. Dort war es sehr schön, aber Lametta und Palmenbäume passen leider genau so wenig zusammen wie Vanillekipferln und Sandstrände. Nach einem Jahr Vorweihnachtspause erfreut mich daher heuer alles, was mich früher stresste. Seit September sehnte ich mich danach, Adventkalender zu befüllen und Kekse zu backen, sogar drei Adventkränze habe ich schon geflochten. In meiner vorweihnachtlichen Höchststimmung wagte ich sogar, das zu tun, was jeder geistig klare Mensch normalerweise vermeidet: Ich fuhr am Samstag zu IKEA, um eine Lichterkette zu kaufen. Eine halbe Stunde lang sang ich Jingle Bells in Endlosschleife, bis ich einen Parkplatz gefunden hatte. Beim Warten auf einen freien Einkaufswagen schrieb ich eine erste Geschenkeliste, während neben mir eine Frau ihrem Mann ein Dutzend Gründe aufzählte, warum es der größte Fehler ihres Lebens war, ihn zu heiraten, und er ihr im Gegenzug erklärte, warum er jede Geschlechtskrankheit erträglicher fand als einen Tag mit ihr. Ich überlegte, welche Servietten zu meinem Adventkranz passten, als sich eine Schwangere und eine sehr krank aussehende Dame lautstark um die letzte Teekanne stritten. In der Stoff-, der Rahmen- und der Kerzenabteilung schwebte ich wie eine Weihnachtselfe über am Boden liegende, brüllende Kinder hinweg und wann immer mir jemand den Einkaufswagen in den Rücken, gegen die Hüften oder über den Fuß donnerte, stellte ich mir vor, dass sich eine Schlittenfahrt im Rentiergespann ähnlich holprig anfühlt. Nicht einmal der Umstand, dass dieser vierstündige Ausflug umsonst war, weil die gewünschte Lichterkette vergriffen war, vermochte meine Laune zu trüben. Auch deshalb mag ich die Vorweihnachtszeit so gerne. Weil sie wahre Wunder vollbringt. Wie, dass man einen IKEA-Samstag ohne Folgeschäden übersteht.

vea.kaiser@kurier.at