Kolumnen
29.04.2018

Fabelhafte Welt: Eine blecherne Liebe

Wenn der Teufel einem einflüstert, dass jetzt der ideale Zeitpunkt zum Wechseln sei.

Vea Kaiser über dauerhafte Bindungen

Natürlich war es naiv zu denken, wir würden für immer zusammenbleiben. Wir hatten so viele schöne Momente geteilt, bei ihm konnte ich hemmungslos lachen und weinen, er hat mich nie verurteilt. Er ließ mich nie im Stich, geschweige denn irgendwo stehen. Zudem hatten wir so viele brenzlige Situationen zusammen ausgestanden, dass ich mir sicher war, nichts könne uns trennen. Wenn ich ihn länger allein gelassen hatte, war er zwar anfangs etwas kalt, wärmte sich jedoch schnell für mich auf. Weil er immer für mich da war. Egal ob zeitig am Morgen oder spät in der Nacht. Mich ganz auf ihn einzulassen, diese dauerhafte Bindung einzugehen, hatte mich nervös gemacht. Ich hatte lange geprüft, bevor ich mich entschieden hatte, doch als ich ihn gesehen hatte, war es Liebe auf den ersten Blick gewesen. Ich weiß, dieser kleine korpulente Italiener gefiel nicht jedem, doch mich machte er restlos glücklich. Ich hatte nie gedacht, dass jemals etwas zwischen uns kommen würde, wie denn auch? Wir waren ein Team. Und doch geschah es. Der natürliche Lauf der Dinge drängte sich zwischen uns, und vergangene Woche, während er vom Winter- aufs Sommeroutfit umstieg, lernte ich seinen jüngeren Bruder kennen. Der jüngere Bruder räkelte sich frisch gewaschen im Sonnenschein, er war stärker, schneller, besser ausgestattet. Ich wollte meinen Blick abwenden, doch der Teufel schickte den Autohändler, der mir ins Ohr flüsterte, es sei der ideale Zeitpunkt, um zu wechseln, er mache mir ein einmaliges Angebot. Er verspreche mir persönlich, sich meines ersten anzunehmen, ihm eine gute Neue zu besorgen. Der Geist war willig, doch die Lust war schwach. Ich ließ mich verführen und willigte ein, mich von meinem geliebten FIAT 500L Alfredo zu trennen. Auch wenn es eine leere Phrase ist: Ich werde ihn nie vergessen. Denn den ersten vergisst man nie.

vea.kaiser@kurier.at