Kolumnen
24.06.2018

Fabelhafte Welt: Alles wird gut

Warum einen Roman zu schreiben hilft, die Nervosität vor der Hochzeit zu besiegen.

Vea Kaiser über den Hochzeits-Countdown

Drei Monate vor unserer Hochzeit werden wir ständig gefragt, ob wir schon nervös seien. Unter uns: Ich verstehe diese Frage nicht. Was braucht man vor einer Hochzeit nervös sein? Wenn mich der Dottore Amore nicht heiraten wollte, dann hätte er weder gefragt,  noch darauf gedrängt, 300 Gäste einzuladen. Aufgrund dieser Gästemenge ist ein gewisses Chaos sowieso vorprogrammiert, vor allem, wenn man in Neapel heiratet, der international anerkannten Chaos-Welthauptstadt. Nervosität ist hingegen völlig berechtigt, wenn man in zwei Monaten ein Roman-Manuskript abgeben muss. Eine Ehe schließt man angeblich für die Ewigkeit, doch diese Ewigkeit hält bei jeder vierten Ehe sowieso nicht ewig. Was man hingegen in einem gedruckten Buch geschrieben hat, geht tatsächlich nie wieder weg. Man kann es nie wieder löschen oder ändern – und wenn das Buch im ägyptischen Wüstensand eingegraben wird, ist es in über 2.200 Jahren noch immer lesbar. Außerdem: Warum sollte man beunruhigt sein, zwölf Wochen vor Hochzeit noch kein Hochzeitskleid zu haben, wenn man acht Wochen vor Abgabe noch keine Idee für das letzte Kapitel hat? Das Ende einer Geschichte beeinflusst mehr als jedes andere Element, wie Leser das Buch in Erinnerung behalten werden. Bezüglich des Hochzeitskleids ist hingegen sowieso schon klar, dass es die italienischen Gäste scheußlich finden werden, sollte es Glitzersteine, Tüll und Satin-Glanz-Elemente entbehren, die österreichischen Gäste hingegen, sollte es selbige Elemente enthalten. Haben Sie Heiratende im Bekanntenkreis, die vor der Hochzeit flippen, raten Sie ihnen, sofort einen Roman zu schreiben. Im besten Fall bekommen Sie ein wunderbares Buch voller Emotionen zu lesen. Im schlechtesten Fall haben Sie ein entspanntes Brautpaar. So oder so: Alles wird gut. Und darum geht es ja in guten Romanen, und bei guten Hochzeiten.

vea.kaiser@kurier.at