Kolumnen
22.10.2018

Der Instinkt aus Säbelzahntiger-Zeiten ist intakt. Leider.

Als die Tiger noch hinter jeder Ecke lauerte, war es überlebenswichtig, dass man handelt, ohne lange nachzudenken.

Freunde haben ein altes Haus auf dem Land gekauft. Eigentlich einen Zustand mit undichtem Dach drauf. Ganz nach dem Credo „Hat einer viel Geld und ist sehr dumm, kauft er ein altes Haus und baut es um“. Natürlich weiß ich, dass ich den Spruch jetzt nicht anbringen darf, aber da hör ich mich auch schon reden.

Wenn Blicke töten könnten, würd ich auf der Stelle tot umfallen. Durch ein Wunder lebe ich noch – vorerst. Rede mich aber weiter ins Verderben. Schuld ist das Kopfkino. Es kommen ausschließlich Szenen aus dem Film „Hinterholz 8“, in dem Roland Düringer ein altes Haus kauft und Murphys Gesetz kennenlernt. „Wenn etwas schief gehen kann, geht es schief.“ Bis zum Auto, das sich nach der illegalen Schuttablagerung im Wald versperrt. Eine Szene, deren Schilderung die Stimmung nicht hebt. Ich sollte ruhig sein. Leider arbeitet meine Zunge in Stresssituationen aber immer schneller als mein Hirn.

Schuld ist der Säbelzahntiger. Als dieser noch hinter jeder Ecke lauerte, war es überlebenswichtig, dass man handelt (rennt), ohne lange nachzudenken. Ein Instinkt, der geblieben ist.

Sieht man auf jedem Börsenparkett. Alle laufen in eine Richtung. Wie Lemminge. In Panik. Kaufen! Verkaufen! Rennen! Wurscht wohin! Nur Warren Buffett tut nix. Der Investor mit der dicken Brille sitzt sämtliche Kursschwankungen aus. Auf einem Berg Geld. Mit voller Hose ist halt leicht stinken.

Mein Patenkind ist sechs. Er hat die Instinkte aus Säbelzahntiger-Zeiten überwunden. Das sieht man sofort, wenn man ihn am Fußballplatz beobachtet. Er steht im Tor, strahlt das Engagement eines Schalterbeamten zwei Wochen vor seiner Pensionierung aus. Der junge Mann tut nix. Er steht einfach nur in der Mitte des Tores. Daran ändert auch ein Elfmeter wenig.

Er wird ein großer Tormann. Da bin ich sicher. Meine These stütze ich auf die Erkenntnisse eines israelischen Sportforschers. Hektisches, antizipatives in eine Ecke hechten, ist im Profifußball völlig überbewertet, sagt er. Ein Drittel der Elfmeter geht genau in die Mitte.

Das Kind weiß das instinktiv.