Kolumnen
27.05.2018

Chaos de Luxe: Romantik im Klo

Wenn Männer zum Kübeln sind.

Polly Adler über ein Muschel-Dramolett

So. Du hast einen Gast. Hast für den eine Kochkür hingelegt. Damit der Typ sieht, dass du nicht nur rasend witzig bist, sondern auch hausfraulich was drauf hast. Der Gast kommt jetzt mit hochrotem Kopf aus deinem Klo. Während du dir nämlich den Kopf über die Digestif-Selektion zerbrochen hast, hat er deine Klomuschel zerbrochen. Bedingt durch eine erratische Bewegung, die dein schickes Art-déco-Flakon über die Brüstung schleuderte, klafft jetzt ein großes Loch in dem Ding. Es ist Freitagabend. Die Romantik ist im Orkus. Es nützt nichts, dass du dem Gast erklärst, dass sowas ja schon einmal vorkommen kann. Du klemmst dich ans Telefon, um einen Not-Dienst ans Rohr zu kriegen. Der Gast verabschiedet sich eilig. Erkenntnis: Ein Mann zum Kübeln. Egal, ich habe jetzt andere Sorgen. Die Frau beim Not-Dienst rattert einmal anstelle einer Begrüßung sämtliche Spätabend- und Wochenendzuschläge runter und will nicht darüber diskutieren, dass Freitag genau betrachtet noch nicht zum Wochenende gehört. Sie erklärt dir, dass es außerdem schon lange nach Mitternacht sein werde, wenn der Mann mit der Reservemuschel eintrudelt. Und dann wären wir schon mitten im Wochenende. Gegen ein Uhr nachts kommt ein mürrisch blickender Blaumann mit Kärntner Migrationsvordergrund. Er blickt auf die kaputte Muschel und betrachtet mich mit einem Blick, als ob ich die Chefgouvernante eines Harems von Minderjährigen in einem arabischen Emirat wäre. Er hat außerdem die falsche Muschel dabei, vor Montagvormittag undsoweiter ... Er meint: „So a Schas. Da kennen S’ ned einetschottern.“ Ich läute bei meinen Nachbarn, die dem Himmel sei Dank noch fröhlich vor sich hintrinken. Ich werfe mich auf den Boden und bitte um Klo-Asyl. Sie schenken mir erst einmal ein. Es wurde dann doch noch ein launiger Abend. Romantik ist ganz offensichtlich nicht so mein Ding.

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„Breakfast at Polly’s”: am 3. Juni, die letzte Vorstellung vor dem Sommer.
Mit A. Händler und P. Morzé.