Kolumnen
04/14/2019

Chaos de Luxe: Pollyamorien

Gib der Hipster-Prinzessin Zucker

Polly Adler über anstrengende Liebeskonzepte

Hochzeitsfeier. Herrliche Reden über die ewige Liebe,Tränen, Umarmungen, Rührung volle Kraft voraus. In der fidelen Tischgesellschaft kam ich neben einer Hipster-Prinzessin zu sitzen (dezent tätowiert, Ganzkörper-Nerdbrillen, Hosenanzug im Zebramuster), die die Bächlein in meinem Gesicht mit einem Kopfschütteln quittierte: „Alles sehr schön, aber nicht für mich. Polyamorie ist die einzige Liebesform ohne programmiertes Ablaufdatum.“ – „Kindchen“, sagte ich, „die Nummer haben doch schon die lieben 68er ausprobiert, aber sind mit Karacho gescheitert.“ – „Hey, Schwester, es geht hier nicht um wahlloses Herumgevögel wie bei euch Alt-Hippies, sondern um parallele emotionale Universen.“ Beleidigt antwortete ich: „Honey, ich war fünf, als Rudelschmusen unter Wasserwerfern angesagt war. Aber wie funktioniert dieses Zeug, das wie ein von einer total positiven Veganistin entworfener Designer-Vibrator in frechen Frühlingsfarben klingt?“ – „Man führt zwei oder auch drei Beziehungen auf gleichwertiger Ebene und ohne dieses ewige Herumgelüge, das ich so zum Strahlkotzen finde. Zum Beispiel kann ich zu einem meiner Poly-Partner völlig angstfrei sagen: Hey, ich glaube, ich habe mich gestern in einen neuen Typen verliebt. Dann antwortet der: Ich freu mich ure für dich. Wann darf ich ihn kennenlernen?“ Ich bekam schon vom bloßen Zuhören Erschöpfungsattacken: „Das klingt wahnsinnig anstrengend, Sis.“ – „Ist es auch. Vor allem, wenn sich einer meiner Poly-Partner in einen anderen verliebt, weil er plötzlich findet, dass er vielleicht doch mehr schwul ist.“  Jetzt versank sie zu einem Hipster-Häufchen, ich fütterte ihr mehrere Petits fours: „Spontane Bisexualität und geplante Polyamorie in der Kombi. Das klingt nach einer echten emotionalen Mount-Everest-Besteigung.“ Ihr Argumentations-Pulver war am Ende; sie verlangte nur noch nach mehr Zucker.

„Mamacholie“ – das Muttertags-Special im Wiener Rabenhoftheater mit Maria Happel, Petra Morzé & Polly, am 12. Mai um 11 und 14 Uhr.

www.pollyadler.at
polly.adler@kurier.at