Kolumnen
24.06.2018

Chaos de Luxe: Kerls in Dreiteilern

Machiavelli-Seminar mit „Suits”

Polly Adler über Bambi 4.0

Pinseln Sie sich die Führungskräfteseminare in öden Provinzhotels oder Wie-domptiere-ich-meinen-narzisstischen-Boss-Workshops, alles Attacken auf die Lebenszeit. Ein Hochschullehrgang in Machiavellismus ist die Anwalts-Serie „Suits“. Ok, natürlich bin ich auch so eine Boulevard-Tante, und habe wegen Bambi 4.0, also Meghan Markle, begonnen. Vom feministischen Aspekt verheerend: Diese armen Frauen in der Kanzlei Pearson & Specter dürfen ausschließlich in Bleistiftröcken, tief dekolletierten Tops und atemraubenden Etui-Kleidchen durch den Glaskobel staksen, inklusive der Besitzerin, die wie ein Covergirl aus „Ebony“ aussieht. Und Bambi 4.0 ist die Meisterin der bebenden Lippe und des verwundert bis verwundet Blickens. Die Karrieren der meisten dieser Frauen dienen vor allem der Kalenderverwaltung und Aufräumarbeiten nach Prozesskatastrophen bei den Kerls. Sie sind loyal bis in die Knochen. Und meistens heimlich verliebt in die Jungs, für die sie arbeiten. Aber Schluss mit dem politisch-korrekten Lamento. Denn von diesen Anwalt-Jungs können wir einiges an Schlachtenstrategien lernen.
Je aussichtsloser die Situation, desto kälter muss die zur Schau gestellte Souveränität sein. Bloß nie ins seelische Schwitzen kommen. Die Schwachstellen des Gegners im Vorfeld sondieren, aber nicht gleich damit loslegen. Chinesische Höflichkeit an den Tag legen. Nie die eigenen Emotionen aus der Koppel galoppieren lassen. Und immer wieder den Satz „Alles schön und gut, aber was wollen Sie wirklich?“ in den unpassendsten Momenten vom Stapel lassen. Stets drei Schritte voraus denken. Abgesehen davon: Diese Jungs sehen in ihren 3.000-Dollar-Dreiteilern so sexy aus, dass (danke, Herr Chandler) „ein Weihbischof für sie jederzeit ein Kirchenfenster eintreten würde“. War das jetzt sexistisch? – Um Gottes Himmels Willen! Aber ich bin eine Frau. Ich darf das.

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