Freizeit
01/18/2020

Chaos de Luxe: Polly Adler und finnische Klagelaute am Pool

So ein Drama: Was tun, wenn sich die Beste mit ihrem Fake-Vuitton-Köfferchen vertschüsst?

von Polly Adler

"Schnell! Kommt!“ – „Was denn?“ brüllte einer der drei Britinnen, allesamt aus dem Genre kleinstädtische Botanikprofessorinnen – also Teint und Charisma beige, durch die Sonne ging ersterer jetzt allerdings in Richtung Zuchtlachs.

„Ein verlassener Mann!“ – „Nein, Heather, mach Witze!“

Die Aufregung des Trios war groß, noch größer als gestern, als eine von einem Hai angeknabberte Riesenschildkröte angespült worden war. Die Augen des Mannes passten zu seinem roten T-Shirt. Er kniete vor dem Pool und gab ungeachtet der Anwesenden finnische Klagelaute von sich. Ich wusste, dass er Tjark hieß und mit der Seinigen (drahtig, viel lautes Gold und mit sichtbarem Drang nach Höherem) die letzten Nächte auf Drama-Volumen gezofft hatte.

Heute Morgen war die Beste mit ihrem Fake-Vuitton-Köfferchen abgeholt worden, zukünftige Adresse mit Sicherheit schön, aber unbekannt. „Sie kann mich doch nicht einfach hier alleine lassen“, schluchzte Tjark.

Es lief doch alles gut...

Ich bot ihm ein Taschentuch, groß genug für einen Elefanten, an. „Es lief doch alles gut“ vermeldete er unter rüsseltiergerechten Schneuzen. „Hörte sich aber ehrlich gesagt nicht so an, Tjark.“ – Vertrauensbildende Maßnahme durch Nennen des Vornamens.

„Ein bisschen Reibungen, mein Gott! Deswegen geht doch niemand! – „Naja, Tjark, ganz wie ein Lottogewinn wirkst du auch nicht immer.“

Warum nicht einmal die Wahrheit ins Spiel bringen. Er hatte was von einem Wikinger, mit dem beim AMS niemand etwas anfangen kann. War ihm sowieso alles egal, Schmerz-Egoismus: „Ich brauche Rosen, ganz viele Rosen. Ich werde Sri Lanka nach ihr absuchen. Tjark kommt und holt Maja.“ Er schlug sich wie Tarzan auf die Brust. Und wieder einmal zeigte sich, dass Männer oft erst dann an Bord wollen, wenn das Schiff längst abgelegt hat. Die Monroe war schon überzeugt : „Liebe ist oft nichts als eine Kette von Anschlussfehlern.“